13.02.2012

Corporate Social Responsibility

Auma Obama will Charity zu einem echten Business auf Gegenseitigkeit machen

Auma Obama
Auma Obama
Charity muss nicht der Geruch des Philanthropischen anhaften. Diese These vertritt Dr. Auma Obama, die die Kinderhilfsorganisation „Sauti Kuu“ (Kiswahili für „Starke Stimmen“) gegründet hat. Die Entwicklungshelferin, die die Bildung, Erziehung und persönliche Entwicklung von benachteiligten und notleidenden Kindern fördern möchte, will das Thema Entwicklungshilfe durch Unternehmen zu einem Business entwickeln. Viel zu oft seien Charity-Organisationen Bittsteller und Unternehmen großzügige Spender. Obama will eine echte Partnerschaft der Unternehmen und der zu entwickelnden Region, aus der beide großes Selbstbewusstsein und Nutzen ziehen können.

Von Christian Thunig

Denn Unternehmen, die ihr Know-how in ihrem ureigensten Bereich zur Verfügung stellen, schlagen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie müssen keine künstlichen Zusatzaktionen kreieren und haben gleichzeitig Pilotprojekte wie aktuell ein Unternehmen, das mit seinen Wassermanagementsystemen in einem Sauti Kuu-Projekt in Kenia hilft. Der Nutzen für das Unternehemen: Kompetenzaufbau in einem neuen Kontinent, Impulse für Forschung und Entwicklung, Neuproduktentwicklung und am Ende neue Kunden in einem neuen Zielmarkt.

Der Nutzen für die Kinder und Jugendlichen, die in ärmlichsten Verhältnissen in Kenia auf dem Land aufwachsen und dann meistens in die Städte abwandern: Sie bekommen Know-how beispielsweise wie in diesem Falle im Ackerbau sowie Bewässerung an die Hand und haben damit die Möglichkeit, ihr eigenes Geschäft durch den Verkauf der Produkte auf Märkten aufzubauen. Das Geschäft reicht dann möglicherweise sogar in die nächste Generation hinein und ermöglicht ein gutes Leben auf dem Land. Obama möchte nämlich, dass nicht mit dem Weggang des jeweiligen Spenders oder Unternehmens auch das Projekt endet. Alles ist darauf ausgelegt, Wissen aufzubauen – auf beiden Seiten. Voraussetzung ist dabei, dass auf die jeweiligen Möglichkeiten der kenianischen Jugendlichen und auf ihre Neigungen aufgebaut wird.

„Ich war frustriert, weil wir immer wieder von vorne anfangen. Sobald die Jugendlichen erwachsen waren, endeten unsere Programme und wir konnten sie nur in die Perspektivlosigkeit entlassen. Wir wollen jetzt nachhaltige Partnerschaften initiieren, die es ermöglichen, das Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen“, sagte die studierte Germanistin am Rande der Best Brands-Verleihung in München. Damit trifft die Halbschwester des US-amerikanischen Präsidenten einen Nerv, denn Unternehmen wollen zunehmend nachhaltig aktiv sein: zum einen in der Wertschöpfungskette und zum anderen, um das Thema Corporate Social Responsibility endlich zu beleben.

Das Besondere an dem Projekt der 51-jährigen Kenianerin, der natürlich ihr Heimatland am Herzen liegt, ist, dass sie die Unternehmen auffordert, ihre geschäftlichen Interessen zu verfolgen. Denn nur so entstünden langfristige Chancen für Entwicklungshilfe. Reines Gutmenschentum sieht sie dagegen zeitlich begrenzt. Dann stünden sie und andere Organisationen wieder am Anfang. Das Ziel ihrer Stiftung „Sauti Kuu“ lautet: „Finde Deine Berufung! Hab keine Angst! Wenn Du daran glaubst, schaffst Du es!“ Das ist in der Tat eine lebenslange Aufgabe – für Menschen wie für Unternehmen.

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