Interview

„Nur ein klares Markenprofil ermöglicht dauerhaft hohe Profite“

07.03.2012.  Dr. Karsten Kilian ist Autor der absatzwirtschaft und den Lesern vor allem durch seine monatliche Rubrik „Kilians Lexikon“ bekannt. Er ist zudem Bauherr des stattlichsten Markenportals in Europa, das unter www.markenlexikon.com angeklickt werden kann. Künftig wird Kilian als Professor an der Hochschule Würzburg den Nachwuchs fördern und fordern. Der 39-jährige Diplom-Kaufmann wird unter anderem Internationales Management und Marketing lehren – und stand vorab Rede und Antwort im Interview mit absatzwirtschaft-Redakteur Thorsten Garber. Sechs Fragen an den frischgebackenen Hochschulprofessor.

Herr Dr. Kilian, warum zieht es einen erfahrenen Marketingstrategen wie Sie als Professor an eine Hochschule?

KARSTEN KILIAN: Die Lehre an Hochschulen ist für mich ja nichts Neues. Ich halte schon seit über zehn Jahren im In- und Ausland Vorlesungen. Ab dem Sommersemester werde ich zudem erstmals an der Universität Nürnberg lehren. Ich halte den Wissenstransfer von der Theorie in die Praxis für extrem wichtig. Top-qualifizierte, junge Nachwuchsführungskräfte sind die beste Voraussetzung, um den Wettbewerbsvorsprung deutscher Unternehmen weiter ausbauen zu können.

In der Praxis haben Sie zuvor mehrere Jahre als Consultant in der Unternehmensberatung des so genannten Pricing-Papstes Prof. Hermann Simon gearbeitet, der selbst aus der Wissenschaft kam. Bekommt Würzburg jetzt den Marken-Papst?

KILIAN: Sicher ist, dass mir Markenführung auch weiterhin sehr am Herzen liegt – und deshalb dauerhaft zu meinem deutsch- und englischsprachigen Vorlesungsportfolio in Würzburg zählen wird. Aktuell sehe ich mich zudem eher noch als Marken-Bischof und Prof. Dr. Esch als Marken-Papst und Prof. Dr. Brandmeyer als „Gegenpapst”.

Sie haben an der renommierten Universität St. Gallen über Markenpersönlichkeiten promoviert und das europaweit führende Portal Markenlexikon.com aufgebaut. Werden Sie in Lehre und Forschung auf Markenthemen besonders Wert legen?

KILIAN: Definitiv. Marke ist und bleibt der Kern meines Interesses. Es kristallisieren sich immer wieder spannende neue Themenfelder heraus, sei es die interne Markenverankerung, Employer Branding, multisensuale Markenführung oder Social Media Branding.

Worauf müssen sich die Studenten bei Professor Kilian einstellen? Was fordern Sie, was fördern Sie beim Nachwuchs?

KILIAN: Ich fordere eine klare, systematische Vorgehensweise und Konsequenz im Handeln. Das fördere ich, indem ich praxiserprobte Modelle und Konzepte klar verständlich vermittle und anschaulich an Erfolgsbeispielen aus der Wirtschaft verdeutliche.

Gerade der deutschen Marketingwissenschaft wird vielfach vorgeworfen, im Elfenbeinturm weit weg von der Praxis zu residieren und allenfalls in so genannten A-Journals eine Selbstbeschau zu halten. Inwieweit werden Sie den Praxisbezug mit konkreten Projekten in Unternehmen suchen?

KILIAN: Ich arbeite schon seit vielen Jahren mit mittelständischen, häufig familiengeführten Unternehmen zusammen und strebe immer nach praktikablen Lösungen. Theorie ist gut und wichtig, aber erst die Umsetzbarkeit in den Unternehmen liefert einen echten Mehrwert. Hier will ich auch weiterhin ansetzen – und Akzente setzen!

Ihre Einschätzung bitte: Wie präsent sind Marken als Thema derzeit in Deutschland und mit welchem Gewicht in den wichtigsten Branchen?

KILIAN: Nach einigen starken Markenjahren Anfang des 21. Jahrhunderts scheint mir die subjektiv empfundene Relevanz von Marken aufgrund der Wirtschaftskrise in vielen Branchen zurückgegangen zu sein. Insbesondere Industriegüterunternehmen haben hier in den letzten drei, vier Jahren deutlich nachgelassen. Das wird sich mittelfristig rächen. Aber es gibt auch Ausnahmen: B-to-B-Unternehmen, die auch in schwierigen Zeiten an ihrer Marke gearbeitet haben – und die sich dadurch in den nächsten Jahren schrittweise weiter von ihren Wettbewerbern absetzen können. Ich bin fest davon überzeugt, dass nur ein klares Profil dauerhaft hohe Profite ermöglicht.

Die Fragen stellte Thorsten Garber.

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