Interview

„Das hohe Vertrauen in uns basiert auf unserem seriösen Geschäftsmodell“

24.02.2012.  Genossenschaften erleben vielerorts ein Revival: Bürger gründen Energiegenossenschaften, es entstehen Ärzte- und Baugenossenschaften. Daran zeigt sich, wie lebendig die Genossenschaftsidee rund 170 Jahre nach ihren Anfängen in Deutschland ist. Im Interview mit absatzwirtschaft-Redakteur Thorsten Garber zieht Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) eine positive Bilanz. Vor allem als Partner des Mittelstandes hätten sich die VR-Banken während und nach der Finanzkrise bewährt. Eine solide Eigenkapitalbasis sei die Grundlage des Erfolgs. Auch im Marketing betont die Finanzgruppe ihre Verankerung in der Mitte der Gesellschaft und investiert dafür bundesweit geschätzt 500 Millionen Euro pro Jahr in Kommunikation und Werbung.

Herr Fröhlich, legen die Volksbanken und Raiffeisenbanken für das vergangene Jahr ähnlich gute Geschäftsergebnisse vor wie im Bilderbuchjahr 2010?

UWE FRÖHLICH: Es war wirklich das beste Jahr unserer Geschichte. Das Jahr 2011 werden wir auf ähnlich hohem Niveau und leicht rückläufigen Ergebnissen abschließen. Und das trotz der Auswirkungen der Staatsverschuldung. Wir sind also immer noch sehr zufrieden. Wir haben unsere Marktanteile ausgeweitet, und unser Kreditgeschäft läuft gut. Voraussichtlich wird unterm Strich von der Bilanzsumme ein Ertrag um einen Prozent herauskommen.

„Das Vertrauen in uns ist noch weiter gestiegen“, ließen Sie sich seinerzeit im BVR-Jahresbericht zitieren. Ist Vertrauen im Kern Ihr Erfolgsrezept? Und mit welchen Werten belegen Sie heute Ihre Botschaft?

FRÖHLICH: Das hohe Vertrauen in uns basiert auf unserem seriösen Geschäftsmodell, das eng mit der Realwirtschaft verbunden ist und unseren Kunden dient. Ein Beleg für ihr Vertrauen sind die steigenden Einlagevolumina. Der Ausbau des Kreditgeschäfts, das im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent gestiegen ist, bedeutet eine echte Ausweitung. Das waren alles Geschäfte mit Nicht-Banken, also der Realwirtschaft. Laut Bundesbank ist der Wert im Schnitt nur um zwei Prozent gestiegen, wir liegen also deutlich darüber. Privatkunden haben uns besonders stark in der Wohnungsbaufinanzierung vertraut, Firmenkunden bei Krediten.

Dabei scheint die Finanzbranche insgesamt im vergangenen Jahrzehnt eher Vertrauen verspielt zu haben: Ob IT- und Immobilien-Blase, Börsencrash, Staatsverschuldung, Euroscheitern oder Rezession – immer geraten auch Banker als böse Buben in die Negativschlagzeilen. Unterliegen da nicht auch Ihre Kollegen einem Generalverdacht?

FRÖHLICH: Zu unserem Leidwesen werden unsere Banker mit anderen über einen Kamm geschoren, wenn man die Verallgemeinerungen in der öffentlichen Diskussion betrachtet. Also vor allem in den Negativberichten der Medien und in Talkshows. Differenzierter zeigt sich das Bild in den Meinungen unserer Kunden vor Ort. Ihr Vertrauen haben wir nachhaltig erhalten und vielfach sogar steigern können. Wir konnten über die Verlässlichkeit auch in Krisen unseren Nutzen für die Menschen in den Regionen vor Augen führen.

Tun sich Firmenkunden eigentlich schwer, sich ausgerechnet einer Bank von Genossen anzuschließen?

FRÖHLICH: Überhaupt nicht. Vor zehn bis 15 Jahren war es vielleicht für Unternehmen noch schick, Kunde einer Großbank zu sein. Deren Gebaren insbesondere in der Krise hat gerade Mittelständler eher zurück in unsere Arme getrieben. Vor allem zwischen 2007 und 2009 haben viele Mittelständler erfahren, wer wirklich zu ihnen steht. Der Begriff der Genossenschaft hat aber nichts mit den Genossen des Sozialismus zu tun. Nein, Genossenschaften sind ur-privatwirtschaftliche Vereinigungen. Unsere Wurzeln liegen bei Kaufmannschaften und in der Handwerkerschaft. Unsere Organisation ist rund 150 Jahre alt. Generationen haben mit uns zusammengearbeitet.

Auch in neueren Branchen wie dem IT-Unternehmertum gibt es keine Vorbehalte?

FRÖHLICH: Wieso sollten die bestehen? Diese Klientel unterstützen wir doch über das Gründungsgeschäft. Da sind wir mit den Sparkassen der große Player.

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