CRM & Vertrieb / Wissen
08.05.2009
ARTIKEL:Drucken
Zeitmanagement

Die Basis für den nachhaltigen Erfolg ist das Arbeiten ohne auszubrennen

Höher, schneller, weiter sind die Maximen der Zeit. Und Stress gilt als normaler Ausnahmezustand unseres Körpers. Aber wenn diese Ausnahme zur Regel wird – dann wird es gefährlich, warnt der Mediziner und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Dr. Cay von Fournier.
Cay von Fournier
Cay von Fournier

von Dr. Dr. Cay von Fournier

Wir leben in einer schnellen Zeit, in einer Zeit der Veränderung und einer Zeit des Umbruchs. Noch nie hatte eine arbeitende Generation so viele Möglichkeiten, Chancen aber auch Risiken wie heute. Immer weniger Menschen werden durch moderne Techniken immer produktiver. Die Belastungen dabei sind groß. Gerne sprechen wir von Höchstleistung, von Kreativität, von Erfolgen und Siegen. Aber eher widerwillig realisieren wir den Preis des scheinbaren Erfolges. Nicht nur die Scheidungsrate schnellt nach oben, ebenso Depressionen, Alkohol- und Medikamentenkonsum sowie Aggressionen.

Wenn sogar der Reservetank leer ist …
Ein Wort, das oft in diesem Zusammenhang fällt, ist „Burnout“, der Zustand „ausgebrannt zu sein“. Wen wundert es, dass dieser Begriff zuerst in New York (der Stadt, die niemals schläft) im Jahre 1974 von dem Psychoanalytiker Herbert Freudenberg beschrieben wurde. Mit Burnout wird der Zustand einer intensiven psychischen oder physischen Erschöpfung beschrieben. Theoretisch ist dieses Phänomen ebenso einfach zu verstehen, wie Übergewicht. Unser Körper und unsere Seele haben viele besondere Fähigkeiten, zum Beispiel dass wir über einen längeren Zeitraum über unsere Verhältnisse leben können, ohne krank zu werden. Im Fall des Burnouts ist es der Reservetank, der uns ermöglicht, körperlich aber auch geistig Außergewöhnliches zu leisten. Beim Übergewicht ist es die Möglichkeit, Nahrung in Form von Fett zu speichern, so dass wir Phasen in denen Nahrung knapp ist, gut überstehen können. Im natürlichen Umfeld folgte einer so außergewöhnlichen Belastung eine längere Ruhephase und die Reservetanks waren wieder voll. Ebenso bauten wir regelmäßig unsere Fettdepots wieder ab.

In der modernen, leistungsorientierten Zeit haben sich die Spielregeln geändert. Es gibt keine Ruhephasen mehr und auch unsere Fettreserven bleiben uns erhalten. Beide Effekte hängen oft zusammen, da psychischer Stress und Bewegungsarmut häufig mit übermäßigem Genuss an kalorienreichem Essen und Alkohol kompensiert werden. Viele Menschen fahren mit Vollgas auf der Überholspur und sind darauf auch noch stolz. So lange es geradeaus geht, mag dies funktionieren, aber bei der ersten Kurve ist die Fahrt zu Ende. Alles hat seine Grenzen, auch unser Körper. Wenn wir diese Grenzen überschreiten, dann müssen wir mit den Konsequenzen leben. Übergewicht ist eine dieser Konsequenzen, Burnout eine andere. Dieser Vergleich ist bewusst gewählt, um deutlich zu machen, dass es sich bei Burnout um ein ernstes Krankheitsbild handelt.

Wie erkennt man Burnout?
Da die Menschen sehr unterschiedlich sind, zeigen sich auch ihre Krankheiten, gerade die seelischen, auf ganz unterschiedliche Weise. Psychisch finden sich Gefühle wie Schuld, Sinnlosigkeit, Versagensängste, Frustration, Wutanfälle, Unausgeglichenheit, Konzentrationsstörungen, Aggression, aber auch Gleichgültigkeit und Lustlosigkeit. Ein typisches Zeichen ist, wenn Dinge, die einem früher sehr viel Freude bereitet haben, plötzlich keinen Spaß mehr machen und man sich sogar widerwillig Zeit dafür nimmt. Das kann Hobbys ebenso betreffen, wie den Lebenspartner oder auch die eigenen Kinder. Physisch zeigen sich oft Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verspannungen, häufige Erkältungen (Immunschwäche), Magen-Darm-Beschwerden (zum Beispiel Sodbrennen, Durchfälle) und Herz-Kreislauf-Probleme (zum Beispiel Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen). Soziale Folgen im Umgang mit anderen Menschen sind Zynismus, Isolation, Ehe- und Familienprobleme sowie gefühlte Einsamkeit.

Wer ist gefährdet?
Um ganz ehrlich zu sein, jeder der diesen Artikel liest, besonders wenn er oder sie in einer führenden Position tätig ist. Die Dunkelziffer ist hoch und die Erhebung von genauen Zahlen schwer. Es ist davon auszugehen, dass heute ein großer Teil der Führungskräfte dem Burnout sehr nahe ist. Aber diese Krankheit betrifft nicht nur Führungskräfte, sondern zieht sich durch alle sozialen Schichten. In dem hier beschriebenen Zusammenhang geht es jedoch primär um Menschen, die verantwortlich sind für große messbare Leistungen, sei es als Führungskraft oder als Unternehmer. Eine Vorstufe ist die Arbeitssucht, die ähnlich eines anderen Suchtverhaltens noch keine Krankheit darstellt, jedoch auf direktem Wege ins Burnout führt. Bei der Arbeitssucht definieren sich Menschen zu intensiv durch den operativen Alltag und die Funktionen, die sie in diesem ausfüllen.

Weiter zu Seite 2 von 3

ARTIKEL:Drucken
SERVICES + BLOGS + SHOP

Absatzwirtschaft-Archiv

Alle Print-Artikel der Absatzwirtschaft seit 1982

Sie können einzelne Artikel (PDF) einfach erwerben. Für Abonnenten kostenlos.

Aktuell in CRM & Vertrieb

Neues aus dem Gestenkoffer: Wie Gesten und Körpersprache zu deuten sind! mehr...

Die Vertriebstipps von unseren Profis für Sie! mehr...

Datenbanken + Medien

Marketing-GlossarHier gibt es die Begriffe zu den wichtigsten Themen der absatzwirtschaft-Welt.   mehr
Jobs-KarriereRecherchieren Sie rund 140 000 Jobs in Deutschland!   mehr
Marken-LexikonKarsten Kilians "Marken-Lexikon" mit rund 1 000 Stichworten   mehr
Marketing TVSchauen Sie rein in die letzten großen Marketing-Events.   mehr

Marketing-Suchmaschine


Die Suchmaschine für das Marketing