27.11.2009

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„Große Wende im Marketing“

Frank-Michael Schmidt
Frank-Michael Schmidt
Frank-Michael Schmidt ist CEO der Scholz & Friends Group, die laut agentur-images 09 zu den besten drei Werbeagenturen Deutschlands gehört. Im Interview mit absatzwirtschaft-online spricht er über Kommunikation in Krisenzeiten und das Ende einer Königsdisziplin.
Spüren Sie in der Krise ein verändertes Verhalten Ihrer Kunden? Worin drückt sich dies aus?

Effizienz ist das neue Schlüsselwort. Die Messbarkeit kurzfristiger Effekte die neue Religion. Die schon seit langem prognostizierte „große Marketing-Wende“ in Richtung individualisierter Kommunikation bricht sich auf allen Ebenen Bahn. Individualität und Interaktivität bestimmen die neue Ära in den Beziehungen zwischen Marken und Menschen. Zudem wird für Unternehmen alles wichtiger, was verspricht, den Brückenschlag von der Kommunikation zur Transaktion zu verkürzen. Auch hier steht natürlich das Internet an vorderster Stelle, weil es für immer mehr Unternehmen die perfekte Einheit von Kommunikation und Transaktion verkörpert.

Gibt es im Rahmen der Orchestrierung eine Verschiebung in der Nachfrage weg von der Klassik hin zu Online?

TV hat als Königsdisziplin abgedankt. Wir bewegen uns von einer Medien- Monarchie zu einer Oligarchie relevanter Kanäle. TV ist nach wie vor einer davon. Tendenziell sehen wir einen Rückgang der klassischen Werbung zu Gunsten der Dreifaltigkeit von Online, Dialogmarketing und CRM sowie zu Gunsten der Werbung im wirklichen Leben: Promotions, Events und allen Dimensionen des POS-Marketing. Zudem ist ein Shift von Einzelmaßnahmen hin zu effizienteren, orchestrierten Kommunikationskampagnen zu konstatieren.

Welches war der wichtigste Etatgewinn der letzten Monate und warum?

Der Gewinn des Vodafone-Etats ist unser wichtigster Neugeschäftsgewinn seit vielen Jahren. Vodafone ist ein faszinierender Kunde, nicht nur wegen seiner Größe, sondern vor allem wegen seiner Nähe zu technologischen Zukunftsthemen, die uns begeistert und auch für unsere Agenturgruppe den Aufbruch in eine neue Ära beschleunigt.

Worin besteht für Sie die hauptsächliche Herausforderung für die Werbebranche in den kommenden Jahren?

Die Kreativität der Zukunft wird in einem hohen Maß eine Kreativität der Kanäle sein. Es geht darum, Online und Social Media, Events, Dialogmarketing und Public Relations, Print und TV zu vernetzen und in eine Dramaturgie einzubinden. Kernpunkt muss eine Botschaft sein, die relevant und interessant ist. Ich bin überzeugt, dass es eine ausschließlich auf klassische Werbung, Print und TV spezialisierte Agentur künftig schwer haben wird. Die Entwicklung geht in Richtung einer orchestrierten Kommunikation, die aus unterschiedlichen Disziplinen ein abgestimmtes Gesamtpaket für die zu bewerbende Marke schnürt. In einem sich verschärfenden Verdrängungswettbewerb wird sich an dieser Frage die Spreu vom Weizen trennen.

Das Gespräch führte Christoph Berdi.

Mehr Informationen zu agentur-images 09 finden Sie unter: www.absatzwirtschaft.de/wissen
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