06.05.2000

Online-Mafo

Massen-Befragungen in kürzester Zeit

Auf den ersten Blick scheint es offensichtlich: Das World Wide Web ist das ideale Instrument für die Marktforschung. Als weltweit verfügbares Massenmedium eröffnet es direkte Pfade zum Konsumenten und ist zudem noch äußerst kostengünstig, verglichen mit dem finanziellen Aufwand in der klassischen Marktforschung. Trotzdem halten sich die Marktforscher derzeit noch zurück.
Lediglich 10-20 Forschungsunternehmen haben sich auf Befragungen im Internet spezialisiert, so die Zeitschrift "NETinvestor" in ihrer Mai-Ausgabe.

Die Vorteile der Online-Marktforschung liegen mal wieder in der Unmittelbarkeit und Verbreitung des Mediums. Vorbei die Zeiten, in denen Anrufbeantworter, geheime Telefonnummern und Mobiltelefone den Befragern das Leben schwer machten. Über das WWW können ganze Datenbanken angelegt werden, in denen sich Internet-Surfer freiwillig(!) registrieren lassen und zudem noch ausführliche Angaben über persönliche Daten, Vorlieben und Abneigungen liefern. Mit Hilfe dieser Online-Panels können die Teilnehmer gezielt ausgewählt und schneller und zeitnaher erreicht werden. Durch Bonus-Angebote angelockt, kann in der Regel eine hohe Teilnehmerzahl gewährleistet werden, Erhebungen mit mehreren tausend Befragten sind keine Seltenheit mehr. Die Auswertung der laufenden Befragung kann zu fast jedem Zeitpunkt erfolgen, und häufig lassen sich schon nach wenigen Stunden Tendenzen zu Marken und Produkten abbilden. Dabei sind die Kosten für die Erhebung meist unabhängig von der Fallzahl, da mehr Teilnehmer nur unerheblich mehr technischen Aufwand verursachen.

Weitere Vorteile sind:
  • Hohe Motivation der Befragten durch freiwillige Teilnahme.
  • Die Befragten stehen nicht unter Zeitdruck, die Antworten sind intuitiver und daher zuverlässiger.
  • Multimediale Darstellungen von geplanten Produkten erhöhen den Anreiz und ermöglichen bereits konkrete Aussagen des Konsumenten in der Entwicklungsphase.
  • Hohe Antwortraten, laut Andreas Werner von der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung bei 40 %, was mit der hohen Zahl der Befragten bei Online-Erhebungen zusammenhängt.
Problematisch bleibt, dass psychologische Faktoren häufig nicht berücksichtigt werden, da sie nicht über einfache Werteskalen abbildbar sind. Zudem sind viele der psychologischen Methoden nicht auf Online-Befragungen übertragbar. Auf diesem Gebiet hat sich die Forschungsmethode Moodform von Joachim Mensing hervorgetan. Mit Hilfe von Farben und Formen, die der Proband nach Sympathie auswählt, können Aussagen über das emotionale Profil des Befragten getroffen werden. 73 "Reize" und eine 25-stufige Skala von Persönlichkeitsattributen stehen dabei zur Verfügung. Die Methode hat sich bei Umfragen für die Modehersteller Street One und Georgio Armani bewährt. Die Hamburger Von Frihling AG setzte diese Methode erfolgreich ein, um über Internet eine weltweite Erhebungen mit 22000 Teilnehmern für einen Dufthersteller durchzuführen.

Die Grenzen der Online-Forschung sind die alt bekannten. Bei aller Zeitersparnis bleibt jede Befragung nur so gut wie der dazu ausgearbeitete Fragebogen. Bei der Online-Version kommt eine notwendig sorgfältige Programmierung hinzu. Und auch das Internet macht eine direkte Konfrontation des Probanden mit dem Produkt nicht erläßlich, wie es beispielsweise im Bereich der Düfte unumgänglich ist. Hinzu kommt, dass sich nicht alle Konsumenten im World Wide Web tummeln, die als Abnehmer für ein Produkt in Frage kommen. Noch entscheidet die Bandbreite der Internet-Nutzer über die Bandbreite der Marktforschung im Internet.

Wenn die Nutzung des Internets erst einmal so alltäglich wird wie der Gebrauch des Telefons, wird auch der Nutzen für die Marktforschung extrem steigen. Bis dahin ist davon auszugehen, dass es die klassische Marktforschung zwar nicht ablösen wird. Eine lohnende Ergänzung ist das Internet für die Online-Marktforschung allemal.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.netinvestor.de www.moodform.com
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