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BDU-Präsident Strehlau: Die Consultingfirmen müssen sich in ihren eigenen Geschäftsmodellen weiterentwickeln

BDU-Präsident Ralf Strehlau

Im Moment ist im Beratungsmarkt gehörig was los: Accenture schluckte jüngst die Werbeagentur Sinner-Schrader, IBM kaufte 2016 die Digitalagentur Aperto oder McKinsey 2015 die Full-Service-Agentur Lunar. Aber auch Werbeagenturen kaufen Technologieanbieter wie 2014 beispielsweise Publicis das US-Digitalnetwork Sapient oder Gruner & Jahr mit seiner Content-Marketing-Agentur Territory die Social-Media-Agentur Webguerillas. absatzwirtschaft fragte den Präsidenten des Bundes Deutscher Unternehmensberater, Ralf Strehlau, der seit Januar 2017 frisch im Amt ist, was diese Bewegungen im Beratungsmarkt bedeuten.

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Herr Strehlau, ist es sinnvoll, dass sich alle Marketing-Dienstleistungsbranchen gegenseitig in den Vorgarten fahren: die Werber bei den Consultants, die Consultants bei den IT-Anbietern und die IT-Anbieter wiederum in den Markt der Mediaagenturen und umgekehrt?

Im Consulting sind die einzelnen Beratungsfelder besonders in den letzten zehn Jahren bereits stark zusammengewachsen, die einstige Trennschärfe existiert so gut wie nicht mehr. Klassische Strategieberater haben IT- und Technologiekompetenz aufgebaut. IT-Beratungen sorgen umgekehrt heute für die strategische Ausrichtung ihrer Klienten. Nun erweitern die Unternehmensberatungen ihre Wertschöpfungskette in Richtung Marketing- und Kommunikationsdienstleistungen. Das macht auch absolut Sinn, denn Fakt ist: Die Anforderungen der digitalen Transformation machen ein enges Zusammenspiel von klassischen Consultingthemen, von klassischen IT-Themen und kommunikativen Aufgabenstellungen notwendig. Und: Die Klienten – sowohl die kleinen als auch die großen Unternehmen – fragen oft Lösungen aus einer Hand nach.

Ist es nicht wichtig, noch eine Spezialisierung aufzuweisen, gerade weil die Teildisziplinen doch eher komplexer werden und mehr Fachwissen benötigen?

Spezialisierung behält nach meiner Einschätzung ihren Stellenwert. Auf der Ebene der mittelgroßen und kleineren Marktteilnehmer werden wir weiterhin sehen, dass die Spezialisten untereinander Kooperationen eingehen und in den Projekten zusammenarbeiten. Große Consultingfirmen oder auch die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften reagieren auf die sich verändernden Marktbedingungen aber eher durch den Zukauf von passenden Digital- oder Werbeagenturen. Nach meiner Einschätzung stehen wir hier erst am Anfang der Entwicklung.

Meinen Sie, dass es irgendwann wieder zurück zu den Wurzeln gehen könnte und Entflechtungen der „Misch-Dienstleister“ stattfinden? Im IT-Bereich ist durchaus wieder ein Best-of-Breed-Ansatz zu beobachten, also die jeweils spezialisierte Lösung der Cloud-Lösung vorzuziehen.

Wellenbewegungen haben wir zurückblickend immer wieder beobachten können. Ich glaube allerdings, dass wir gerade einen Paradigmenwechsel erleben. Bedingt durch den digitalen Wandel müssen die Unternehmen auf drei Ebenen gleichzeitig agieren und sich in immer schnelleren Taktungen anpassen: Bei der Ausrichtung ihrer Geschäftsmodelle, bei der Überprüfung und Neugestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation sowie bei der Gestaltung der Kommunikationsstruktur für das heutige Verhalten der Kunden hinsichtlich ihrer Informations- und Kaufentscheidungsprozesse. Eine ganzheitliche und integrierte Herangehensweise besitzt hier Vorteile. Trotzdem muss – gerade in IT-Projekten – immer wieder die Frage individuell entschieden werden „Best of Breed“ oder „Best of Suite“. Je nach Unternehmenssituation kann die Entscheidung für die beste Lösung auf dem Markt für jede individuelle Fragestellung oder aber für den Anbieter mit der besten Gesamtlösung sinnvoll sein. Spätestens hier ist gute, unabhängige Beratung gefragt!

Was rät der BDU-Präsident, wie sich die Consultingbranche verhalten sollte?

Für jede einzelne Unternehmensberatung ist der digitale Wandel eine große Chance, aber auch eine Verpflichtung. Die Consultingfirmen müssen sich in ihren eigenen Geschäftsmodellen weiterentwickeln, wie zum Beispiel durch den Kauf oder die Kooperation mit Digital-Agenturen. In den Aufbau- und Ablauforganisationen sollten verstärkt Ansätze aus der digitalen Welt übernommen werden. Denken wir zum Beispiel an agile Management-Konzepte oder ein weiterentwickeltes Führungsverständnis. So werden wir Vorreiter für andere Branchen im Umgang mit dem digitalen Wandel.

Wie lösen Sie selber in Ihren Projekten das Problem der zunehmenden Integration von klassischen Consultingthemen, IT und Kommunikation?

Als Eigentümer einer mittelständischen Beratung geht der Weg für mich über die intensive Kooperation mit Kollegen aus den unterschiedlichen Disziplinen. Traditionell arbeite ich zum Beispiel schon seit vielen Jahren mit einem Marktforschungsinstitut eng zusammen. In der letzten Zeit sind noch weitere Partnerschaften im digitalen Umfeld hinzugekommen. Meine Mandanten erwarten von mir die Rolle des operativ erfahrenen Integrators über alle Themenstellungen hinweg, aber nicht, dass meine Beratung jede einzelne Problemstellung alleine lösen kann. Sie schätzen es, wenn aus unserem Netzwerk ausgewiesene Spezialisten hinzugezogen werden. Wichtig ist dabei, selbstkritisch zu sein und sich nicht als Spezialist für jede Themenstellung zu verstehen!

Zur Person
Ralf Strehlau leitet den Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) als Präsident seit 1.1.2017. Davor hatte er sich im Spitzengremium der Consultingwirtschaft bereits von 2015 bis 2016 als Vizepräsident und von 2003 bis 2014 als Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Management + Marketing engagiert. Strehlau ist geschäftsführender Gesellschafter der Anxo Management Consulting GmbH mit Sitz in Hofheim/Taunus, deren Beratungsschwerpunkt auf Strategie-, Marketing-, Vertriebs-, Digitalisierungs- sowie Veränderungsthemen liegt.

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