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Autos lernen miteinander zu sprechen

Die Industrie arbeitet mit Hochdruck an der Kommunikation zwischen Geräten. Vernetzte Autos sind der erste Schritt in dieses lukrative Geschäft. Weltweit entsteht damit ein milliardenschwerer Markt.

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Auf dem Contidrom, der streng abgeschirmten Teststrecke des Autozulieferers Continental zwischen Hannover und Hamburg, dreht die Zukunft bereits ihre Runden. In der Lüneburger Heide verlangsamen speziell umgerüstete Serienmodelle automatisch die Fahrt, wenn hinter der Kurve ein anderer Wagen stehen bleibt, die Fahrbahn vereist ist – oder die Geschwindigkeit angesichts einer roten Ampel zu hoch ausfällt.

Sie tun das, weil die Fahrzeuge untereinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren: Auto A warnt Auto B per Funk vor der Glätte und dem Stau. Die Ampelanlage ruft Auto C auf demselben Weg zur Mäßigung.

Was Autofahrer noch skurril erscheinen mag ,elektrisiert ganze Industrien. Autohersteller und IT-Konzerne arbeiten mit Hochdruck am Datenaustausch zwischen Maschinen. Die Projekte reichen vom vernetzten Haus über die vollautomatische Produktion bis zur Verwendung von Smartphones als Türöffner.

Allen voran aber treiben sie die Vernetzung von Autos voran. BMW und Volkswagen gehören zu zwölf europäischen Fahrzeugherstellern, die von 2015 an Serienmodelle standardisiert miteinander ins Gespräch bringen wollen. Das Konsortium will den Verkehr damit staufreier und schadstoffärmer machen – und daran gut verdienen. Vernetzte Autos gelten als milliardenschweres Geschäft.

Das elektrisiert neben Autobauern auch die IT-Industrie: Heute verkünden der weltgrößte Netzwerkspezialist Cisco aus den USA und der niederländische Chiphersteller NXP eine strategische Allianz in der Technologie für die Auto-Vernetzung. Dazu beteiligen sich die Unternehmen zu gleichen Teilen an dem australischen Funkspezialisten Cohda – einem Start-up, das eine besonders leistungsfähige Funktechnologie entwickelt hat.

Funken durch Kurven

„Cohdas Funktechnologie ist standardisiert und übertrifft im Leistungsniveau den herkömmlichen drahtlosen WLAN-Standard“, erläutert NXP-Vorstand Kurt Sievers im Gespräch mit dem Handelsblatt. Damit könnten Autos sogar durch Hindernisse hindurch und um Kurven funken. Das Trio will seine Stärken zusammenführen: Von NXP kommen die Chips, von Cohda die Software. Cisco bindet beides in Netzwerke ein.

„Die gemeinsame Technologie wird dabei helfen, Unfälle zu vermeiden, Leben zu retten und den CO 2 – Ausstoß zu senken“, erwartet NXP-Manager Sievers. Mit einem europäischen Autobauer arbeitet NXP an einer Kommunikationseinheit, die 2015 in Serie gehen soll. Sievers rechnet damit, dass gegen Ende des Jahrzehnts ein Fünftel aller Neuwagen vernetzt sein dürfte.

Mit ihren Hoffnungen steht das neue Trio nicht allein. Neben Autozulieferern wie Bosch und Conti setzen die Deutsche Telekom und Vodafone ebenso wie Google und Microsoft auf die Möglichkeiten vernetzter Automobile. Alle wollen einen möglichst großen Anteil am Zukunftsmarkt.

So rechnet die Beratungsfirma Accenture mit jährlichen Wachstumssprüngen von 30 bis 40 Prozent im Geschäft mit Maschinenkommunikation. Rund 8,4 Milliarden Euro sollen allein in Europa im Jahr 2014 damit umgesetzt werden – der größte Anteil daran dürfte auf das vernetze Fahrzeug entfallen.

„Daten stellen heute selbst einen Wert da“, sagt Unternehmensberater Wolfgang Bernhart von Roland Berger, er verantwortet eine Studie zum Thema vernetzte Fahrzeuge. Dadurch entstünden neue Geschäftsfelder: Unternehmen, die erfolgreich Anwenderdaten auswerten, können dem Fahrer neue Services und Apps andienen.

Entscheidend ist die Sicherheit

„Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit solchen neuen Geschäftsmodellen“, sagte Andreas Mai, Produktmanager beim Netzausrüster Cisco. Möglich macht das der technische Fortschritt: Cloud-Computing und schnelle Mobilfunknetze wie LTE vernetzen Autos untereinander und verbinden sie mit Rechenzentren, die Fahrzeugdaten verarbeiten.

Schon in zwei Jahren dürfte die Ausrüstung von Fahrzeugen mit Mobilfunktechnik einen kräftigen Schub erfahren: Dann nämlich soll der „eCall“ in Kraft treten, das von der EU-Kommission geplante automatische Notrufsystem für Kraftfahrzeuge. Ab 2015 soll jeder Neuwagen mit einem SIM-Chip ausgestattet sein – und über diesen bei einem Verkehrsunfall automatisch den Notruf auslösen. Die EU verspricht sich davon eine deutliche Absenkung der Zahl der Verkehrstoten.

Entscheidend für den Durchbruch der neuen Technologie wird das Thema Sicherheit der Datenverbindung sein. Denn wenn ein Auto dauerhaft mit dem Internet verbunden ist und mehrere Funkschnittstellen für Kommunikation nach außen hat, lockt dies auch Hacker an. Wenn die Eindringlinge einen Airbag aus der Ferne auslösen oder den Motor mitten auf der Autobahn abstellen, wird das zur tödlichen Gefahr für jeden Autofahrer.

Die IT-Firmen sind sich der Verantwortung bewusst: „Wir öffnen das Auto als Datenkanal“, sagt NXP-Manager Sievers. „Deshalb müssen wir das Fahrzeug mit modernster Sicherheitstechnologie absichern.“

von Martin Wocher und Mark Christian Schneider, Quelle: Handelsblatt

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