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Aufgewacht: Warum Schlaf eine unersetzliche Energiequelle ist

Verpennen wir die Automatisierung von Marketing und Sales? © Fotolia 2015

Der Schlaf hat ein Imageproblem, er gilt als unproduktiv, gar faul. Längst haben wir ihn den Dogmen unserer Arbeitswelt unterworfen. Glaubt man Forschern, leiden wir dadurch unter einer Art Dauer-Jetlag.

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Manchmal ist die Bundeskanzlerin nicht ganz bei Sinnen. Zum Beispiel Anfang Februar, als sie sich gemeinsam mit ihrem französischen Kollegen François Hollande in Kiew für eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine einsetzte. Nach einem 17-stündigen Verhandlungsmarathon einigten sich beide Parteien schließlich. Zu diesem Zeitpunkt muss Angela Merkel so übermüdet gewesen sein, dass sie klinisch gesehen nicht mal hätte Auto fahren dürfen. Denn Schlafmangel beeinträchtigt unser Reaktionsvermögen.

Nach 17 Stunden Wachsein ist es bereits so eingeschränkt, als hätten wir 0,5 Promille Alkohol im Blut. 22 Stunden entsprechen einem Promille. Angela Merkel aber wäre nicht Bundeskanzlerin, könnte sie der körperlichen Müdigkeit nicht Herr werden. „Ich habe eine Art Kamelkapazität, mit Schlaf umzugehen“, hat sie mal gesagt. Vier Stunden Schlaf über mehrere Tage können dann genügen. Merkel reiht sich damit ein in eine lange Liste schlafloser Politiker und Manager, deren geringes Schlafbedürfnis zu einem Ausdruck von Macht und Biss geworden ist. Wer es schafft, eins der grundlegenden Bedürfnisse des menschlichen Organismus zu kontrollieren, der schafft alles – oder?

Den Schlaf beherrschen?

Schon die Sprachbilder unserer Gesellschaft deuten darauf hin, welch verpönten Ruf die nächtliche Ruhe genießt: Wer aufgeweckt ist, verschläft nichts. Wer Erfolg haben will, muss früher aufstehen als die Konkurrenz. Schlafen kannst du, wenn du tot bist. Für den US-amerikanischen Kunsthistoriker und Autor Jonathan Crary befindet sich der Schlaf in einem Kampf gegen den Kapitalismus. In seinem Essay „24/7“ beschreibt er, wie der Produktivitätszwang unserer modernen Leistungsgesellschaft sich seit der Industrialisierung derart potenziert hat, dass wir jede Sekunde unseres Lebens ökonomisieren wollen: Immerzu sollen wir erreichbar sein, als Käufer, Kommunikator, Produzent.

Schlaf wird dadurch zur Schwäche des menschlichen Organismus degradiert, zu einem Fehler, der im direkten Kontrast zu Erfolg und Leistung steht. Gänzlich ausmerzen können wir diesen Fehler nicht, dafür wollen wir ihn zumindest beherrschen – wir wollen unseren Schlaf kontrollieren. Statt nach der inneren Uhr richten wir ihn nach äußeren Faktoren aus und katapultieren unsere Leistungsfähigkeit damit von selbst ins Aus. Denn Menschen sind zwar von Natur aus tagaktive Wesen, unsere Hauptaktivitätszeiten aber unterscheiden sich.

„Im Durchschnitt steigt die Leistungsfähigkeit eines Menschen vormittags an. Um die Mittagszeit herum erreicht sie einen Höhepunkt und fällt anschließend etwas ab. Am Nachmittag folgt ein zweites Leistungshoch, das aber nicht die Höhe des ersten erreicht“, erklärt Michael Nasterlack, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin. Diese sogenannte Leistungsparabel verläuft bei jedem Menschen gleich, nur ihr Startpunkt ist individuell verschieden. Wann wir am produktivsten sind, hängt davon ab, welcher Schlaftyp wir sind.

Sind Sie eine Eule oder eine Lerche?

Unterschieden wird gemeinhin zwischen Langschläfern und Frühaufstehern – oder Eulen und Lerchen. Zu welcher Sorte man gehört, darüber bestimmt vor allem der Zeitpunkt, zu dem man von alleine aufwacht, wenn man keinen regelmäßigen Zeiten unterworfen ist. Lerchen oder „der frühe Vogel“ schlafen und wachen von Natur aus eher auf und sind damit auch früher leistungsfähig. Eulen wiederum laufen später am Tag zu Höchstformen auf.

Bei einer Minderheit der stark nachtaktiven Menschen gehen Forscher gar davon aus, dass solche Personen eine innere Uhr haben, welche auf 25 oder mehr Stunden pro Tag anstatt auf 24 Stunden eingestellt ist. Auch die perfekte Schlafdauer variiert von Mensch zu Mensch. „Im Regelfall schwankt das Bedürfnis zwischen fünf und zehn Stunden“, sagt Fachmediziner Nasterlack.

Das Problem: Unser Schlafrhythmus wird heute weniger von natürlichen Einflüssen wie dem Tageslicht bestimmt. Stattdessen unterwerfen wir ihn dem Unternehmen, der Schichtarbeit, den internationalen Märkten oder dem gesellschaftlichen Duktus. Laut einer Allensbach-Studie aus dem Jahr 2011 schlafen 18 Prozent der Führungskräfte und Spitzenpolitiker nicht mehr als fünf Stunden pro Tag.

 Im Laufe der Jahre ändert sich das Ruheverhalten zudem, sagt Nasterlack. „Auch eine chronische Eule wird sich irgendwann in Richtung Morgentyp entwickeln. Denn das Schlafbedürfnis nimmt mit dem Alter ab, die Zeit des Aufstehens verlagert sich so nach vorne.“ Die grundsätzliche Schlafgenetik aber bleibt dieselbe. Fachmediziner Nasterlack sieht darin ein allgemeines gesellschaftliches Problem: „Schlafforscher sind sich heute weitgehend einig, dass sich ein Großteil der Bevölkerung durch die bei uns etablierten Arbeitszeiten in einer Art Dauer-Jetlag befindet.“ Zwar gibt es längst Arbeitszeitmodelle, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter versuchen einzugehen, Gleitarbeit zum Beispiel, oft reichen diese Maßnahmen aber nicht aus.

Verändert Schulzeiten, Abschaffung der Sommerzeit

Autor Peter Spork hat sich in den vergangenen Jahren für eine neue Arbeits- und Schlafkultur ausgesprochen. In seinem Buch „Wake up! Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft“ hat der Wissenschaftsjournalist dazu einen Acht-Punkte-Plan entworfen. Er fordert unter anderem veränderte Schulzeiten, die Abschaffung der Sommerzeit und neue Arbeitszeitmodelle. Dazu gehören auch der Powernap am Nachmittag und flexiblere Gleitzeiten.

Forschern der Pennsylvania State University zufolge wirkt sich vor allem Letzteres positiv auf die Erholung aus: Teilnehmer einer Studie, die sich Arbeitszeitraum und -ort ein Jahr lang selbst aussuchen durften, schliefen im Schnitt länger und fester als ihre Kontrahenten, die festen Vorgaben folgen mussten.

Sich den Schlaf zu gönnen, ja gar zu leisten, den der Körper braucht, wird so letztlich zum Leistungsgewinn. „Es macht keinen Sinn, mehrere Tage durchzuarbeiten ohne Pause. Das Endergebnis wird schlechter ausfallen, als wenn man sich die Zeit nimmt, zwischendurch in Ruhe zu essen, zu schlafen oder einen Spaziergang zu machen”, weiß auch die Fechterin und Olympiasiegerin Britta Heidemann. „Die richtige Balance und Gelassenheit ist nicht leicht zu finden, aber entscheidend dafür, wie produktiv man ist.“

Gelassenheit ist wiederum auch im Job nicht die schlechteste Eigenschaft. Kritiker attestieren Angela Merkel des Öfteren zu viel davon, weil sie sich mit Entscheidungen gerne Zeit lässt. Vielleicht ist sie dann zu gelassen. Vielleicht ist sie aber auch einfach nur zu müde.

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