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Angst vor Veränderung – Die Tagesschau bekommt eine neue Melodie

Die Tagesschau-Fanfare läutet seit 56 Jahren um 20 Uhr den Abend in deutschen Haushalten ein. Jetzt soll sie überarbeitet werden – da gilt es sensibel zu sein.

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Ein Kommentar von Anne-Kathrin Keller

Veränderung bringt neuen Schwung und Chance für Verbesserung. So eine weitverbreitete Meinung bei aufgeklärten, gebildeten Menschen. Das scheint für viele Bereiche zu gelten, nicht aber für das Deutschen Nachrichtenheiligtum die Tagesschau. Hier soll alles bleiben, wie es ist und schon immer war. Schlimmer noch: Allein die Ankündigung über eine Veränderung scheint blanke Panik auszulösen. Ähnlich emotional reagieren die deutschen Fernsehzuschauer nur, wenn Till Schweiger mal wieder verlauten lässt das Intro des Tatorts abzuschaffen. Mal ganz davon abgesehen, dass Schweiger das gar nicht kann.

Relaunch unerwünscht

Fakt ist: Auch die Tagesschau braucht hin und wieder einen Relaunch. Schließlich ist sie 60 Jahre alt. Nun ist das aber so eine Sache mit alten Formaten. Veränderungen ja, aber doch bitte nicht zu schnell und zu bemerkbar. Zumal ja erst einmal optische Veränderungen ins Haus stehen, die der Zuschauer verarbeiten muss. Der Studioumbau der Tagesschau ist Ende des Jahres abgeschlossen, mit ihm verbunden sind eine nach 15 Jahren modernisierte Technik, HD-Tauglichkeit sowie ein neues Design. Und dann geht’s an die Akustik. Die „Titelmelodie anpassen“, wie es von der Redaktion ARD-aktuell in Hamburg heißt.

Ans Werk machen darf nach ARD-Angaben der Komponist Henning Lohner. Er arbeitet für die Firma Remote Control von Oscar-Preisträger Hans Zimmer in Hollywood. Hier wird sonst Musik für Filme wie König der Löwen oder Gladiator komponiert. Man darf also einiges erwarten.

Fanfare für 15 Minuten Ruhe

Die Tagesschau-Melodie kam zum ersten Mal im Jahr 1956 zum Einsatz. Die Musik kommt aus der Komposition Hammond-Fantasie des 1971 verstorbenen Filmmusikers Hans Carste. Er schrieb die Komposition in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Der Jazzklarinettist Rolf Kühn bearbeitete das Stück und ließ es von einem Rundfunkorchester für die Tagesschau einspielen. Seitdem ist die Melodie in deutschen Haushalten Erkennungszeichen dafür, das der Feierabend begonnen hat und endlich entspannt werden darf. Für viele Kinder ist diese Melodie das erste Fernseherlebnis, für viele Familienväter die einzigen 15 Minuten Ruhe am Tag, für die Telekom die umsatzschwächste Viertelstunde des Tages. Denn während der hochheiligen Tagesschau schweigen alle: Telefone, Ehefrauen, Kinder.

Wer in dieses Terrain eingreift, sollte sensibel sein. Das musste die ARD bereits lernen. Als Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke nach seinem Sommerurlaub 1974 mit einem Schnurrbart die Tagesschau moderierte, ging ein Aufschrei durch Deutschland. Völlig irritiert durch ein paar Barthaare konnte sich die ganze Nation nicht mehr auf die Inhalte der Nachrichten konzentrieren. Köpcke legte den Schnauzer ab, das Land war beruhigt aber traumatisiert. Ein wenig Restangst ist geblieben, nimmt man das Medienecho auf die ARD-Pläne der letzten Woche in den Blick.

Werbeexperten warnen

Auch Werbeexperten warnen vor voreiligen Schritten. Marken dürfen nicht einfach so geändert werden, sagt Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft gegenüber sueddeutsche.de. Die Tagesschau-Melodie habe Markencharakter und sei bei den Menschen tief verwurzelt. „Sie identifizieren damit im Fernsehen ein spezielles Angebot“, sagte Volker Nickel.

Die Protestwellen, die alleine die Ankündigung der Änderung bereits losgetreten hat, ließ die ARD bereits aufhorchen. Die Direktion will sensibel vorgehen. Man wolle doch nur moderner werden und die Melodie der neuen Optik anpassen. Anpassen hieße doch nicht abschaffen. Ganz so rabiat sind die ARD-Direktoren nicht. Diese Sorge sei völlig unbegründet sagt Tageschau-Chefredakteur Kai Gniffke der Bild-Zeitung. Man entsorge die Melodie nicht, sondern überarbeite sie lediglich. Eine Überarbeitung bekam die Tagesschau auch schon in den Jahren 2005, 1997 und 1994. Die Grundelemente der Tagesschau-Melodie, die sie so unverwechselbar machen, bleiben erhalten. Puh, welch Erleichterung!

Die Tagesschau selbst stellt im Internet sämtliche Varianten der Aufmachermelodie der Acht-Uhr-Nachrichten seit 1952 bereit. Klicken Sie sich einfach durch und beurteilen sie selbst, ob beispielsweise die Variante von 1994, die unter den anderen Varianten durch fast schon diskoähnliche Klänge auffällt, wirklich moderner ist als die von 1970: Die Tagesschau im Remix

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