Suche

Anzeige

„Angriffe auf Firmennetze sind einfach und hochlukrativ“

Computer-Hacker sind in Russland und China besonders gut organisiert. Über das „World Wide Web“ dringen sie auch in die Firmennetze deutscher Unternehmen ein. Götz Schartner, quasi staatlich autorisierter IT-Spion und Geschäftsführer der Spezialisten von „8com“, schildert im absatzwirtschaft-Interview, inwieweit IT-Sicherheit für das Marketing eines Unternehmens relevant ist.

Anzeige

Herr Schartner, Ihr Job erinnert an die Rolle von Robert Redford im Film „Sneakers“. Dort beauftragt ihn eine Bank ins System einzudringen. Unternehmen welcher Branchen heuern Sie vor allem an?

GÖTZ SCHARTNER: Primär werden wir von Banken, Versicherungen und Unternehmen aus der Chemie, Pharma, Energieversorgungs- und Maschinenbau Branche beauftragt.

Anhand welcher Fakten belegen Sie, dass das Thema nicht nur hoch gekocht wird, und an welchen Angriffsflächen ist die Gefahr aktuell extrem groß?

SCHARTNER: Wir – 8com – greifen im Auftrag von Unternehmen deren eigene Netzwerke an, um zu prüfen, ob Kriminelle oder Nachrichtendienste in der Lage sind, zum Beispiel aus dem Internet auf deren Netzwerke zuzugreifen und Informationen zu stehlen oder die Netzwerke zu manipulieren. Speziell in den letzten beiden Jahren mussten wir solche Prüfungsangriffe immer wieder abbrechen, da wir entdeckten, dass schon vor uns kriminelle Hacker in die jeweiligen Firmennetzwerke eingedrungen waren und dort Daten stahlen. Zudem werden wir immer häufiger von Unternehmen zur Hilfe gerufen, die Opfer von Erpressungen Cyberkrimineller geworden sind. Auch der Verfassungsschutzbericht 2009 stellt eine hohe Zunahme von Wirtschaftsspionage fest. Das Ganze ist auch nicht verwunderlich. Innerhalb weniger Jahre wurde fast das vollständige Wissen und die Geschäftsprozesse deutscher Unternehmen digitalisiert. Als Schutz werden meistens nur Firewalls, Proxy Server und Antiviren-Programme eingesetzt. Leider reicht das schon lange nicht mehr aus!

Woher kommen im globalen Netz besonders viele Eindringlinge, und warum suchen sie sich ausgerechnet deutsche Firmen aus?

SCHARTNER: Besonders viele Angreifer kommen aus China, Russland und Südamerika. Die Angriffe werden aber nicht nur gegen deutsche Firmen geführt. Jedes Unternehmen auf der Welt, das über wertvolle Informationen im Firmennetzwerk verfügt, ist ein potenzielles Ziel der Kriminellen und Nachrichtendienste. Solche Angriffe sind meistens sehr einfach, die Gefahr entdeckt und zur Rechenschaft gezogen zu werden, ist extrem gering aber auf der anderen Seite hochlukrativ.

Inwieweit ist es für das Marketing eines Unternehmens beziehungsweise für Kunden überhaupt relevant, ob die IT-Sicherheit in einer Firma gewährleistet ist?

SCHARTNER: Das wird immer wichtiger. In wenigen Jahren wird ein Großteil der deutschen Unternehmen ohne ausreichende praktische Informationssicherheit nicht mehr überleben können. Dazu gibt es heute schon diverse Beispiele: Ein baden-württembergisches Maschinenbauunternehmen hatte uns 2008 beauftragt, eine Sicherheitsprüfung durchzuführen. Bei der Prüfung stellten wir fest, dass das Unternehmen schon gehackt worden war. Ein ostasiatischer Wettbewerber erhielt dadurch Zugriff auf hochsensible und wertvolle Forschungsergebnisse. Die damit verbundenen Marktverluste konnte das Unternehmen nicht mehr abfangen. Es existiert heute nicht mehr. In einem anderen Fall wurden bei einem Unternehmen Angebote und Ausschreibungen ausgespäht und an osteuropäische Wettbewerber verkauft. Leider gibt es noch zahlreiche weitere solcher Fälle.

Woran erkennen hilfesuchende Unternehmen einen guten Dienstleister für IT-Sicherheit?

SCHARTNER: Die Neutralität, Unabhängigkeit und Professionalität muss gewährleistet sein. Einen Dienstleister zu beauftragen, der nach Prüfung und Beratung Sicherheitslösungen wie Firewalls verkauft oder eigene IT-Dienstleistungen zur Absicherung anbietet, wird in den seltensten Fällen diesen Anforderungen gerecht werden.

Die Fragen stellte Thorsten Garber.

www.8com.de

Kommunikation

Keine Gnade: Beim Kundenservice haben Deutsche ein Elefantengedächtnis

Wenn es um das Thema Kundenservice geht, dann sind deutsche Konsumenten besonders nachtragend. Nicht nur erinnern sich hierzulande 81 Prozent der Befragten an schlechte Serviceerlebnisse, die ein Jahr oder länger her sind, sie erzählen es auch noch weiter. mehr…

Anzeige

Absatzwirtschaft Newsletter

absatzwirtschaft Newsletter schon abonniert?

Newsticker

60 Prozent der Bewerber wollen Gehaltsangaben in Stellenangeboten

Der Januar ist Hauptsaison für die Jobsuche, doch wie können sich Unternehmen in…

Roboter in der Arbeitswelt: Warum die Mehrheit der Deutschen die High-Tech-Kollegen ablehnt

Groß, orange und hinter einem Schutzzaun - die Vorstellung der Deutschen von Robotern…

Nielsen-Report zum Werbejahr 2018: TV-Werbemarkt erstmals seit 2009 im Minus

Wie sieht die Bilanz des deutschen Werbemarkts im Jahr 2018 aus? Er stagniert…

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige