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Androiden-Invasion könnte Apple-Herrlichkeit beenden

Von Gunnar Sohn
Apple-Chef Steve Jobs ist ein schöpferischer Unternehmer, wie ihn der Ökonomen Joseph Schumpeter beschrieben hat. Das werden selbst seine ärgsten Kritiker und Konkurrenten nicht bestreiten. Ein Innovator wie Jobs zeichnet sich vor allen Dingen durch die Kunst der Kombinatorik aus. Innovationen entstehen eben nicht nur durch Erfindungen: So sah es jedenfalls Schumpeter in seinem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“, erschienen vor knapp 100 Jahren: „Nur dann erfüllt er (der Unternehmer) die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt“, schreibt Schumpeter.

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Routineunternehmer ist kein Innovator

Innovatives Unternehmertum unterscheidet sich dabei deutlich vom Routineunternehmer, der auf überkommenen Grundlagen arbeitet und nie Neues schafft. Aus altbekannten Techniken wie W-LAN, MP3 und Bewegungssensoren schuf Apple neue Geräte mit Kultfaktor. Und auch das benutzerfreundliche Design ist keine Kreation aus Cupertino. Der Steve Jobs-Konzern folgt konsequent dem Less-and-More-Diktum des genialen Industriedesigners Dieter Rams, der in den 1960er und 1970er Jahre bahnbrechende Produkte für die Braun AG schuf. Und was noch wichtiger für die Erfolgsstory von Apple ist: Jobs erzeugt neue Märkte. Der dynamische Unternehmer orientiert sich nicht primär an gegebener oder unmittelbarer Nachfrage des Konsumenten, sondern „er nötigt seine Produkte dem Markte auf“, so Schumpeter. Das ist Steve Jobs mit Produkten und Diensten für das 3G-Mobilfunknetz sowie für den Tablet-PC-Markt gelungen.

Bis 2006 hatten es die Netzbetreiber und auch die Hersteller nicht geschafft, attraktive und leistungsfähige Endgeräte bereitzustellen. Betreiber und Hersteller zerhackten sich mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Man sprach vom UMTS-Debakel. Es existierten keine überzeugenden Dienste, die mobiler Datenverkehr mit höheren Bandbreiten auf einem Handy oder Smart Phone erfordern.
Steve Jobs schafft neue Märkte

Erst mit dem iPhone-Marktstart entfaltete sich das mobile Web, entstand die App-Economy und eine Flut von neuen Smartphones. Noch im vergangenen Jahr sprach das Handelsblatt von der iRevolution. Das Apple-Handy sei nicht nur schick, es stehe für Innovation, für einfache Informationstechnologie – und die künftige IT-Welt, das gesamte Netz-Angebot, alle Dienstleistungen auf einem Gerät. Einfache und kostengünstige Entwicklerwerkzeuge sowie neue Vertriebsformen über das weltumspannende Netz schufen eine Ökonomie mit neuen Regeln, in gewisser Weise sogar eine neue Welt. Alte Grenzen wie die zwischen Telefonie und Computer oder Fernsehen würden sich auflösen, oder es gibt sie gar nicht mehr. Weltweit habe niemand so erfolgreich wie Apple das Zusammenwachsen – im Fachjargon Konvergenz – von Hardware, Software und Inhalten umgesetzt.

Folgt man den Analysen der Wirtschaftswoche zur Mobile World Conference in Barcelona, dürfte die Apple-Herrlichkeit bald vorbei sein: „Vier Jahre war nur Apple angesagt. Jetzt übernehmen Android-Handys den Markt. Bald soll Googles Software auch in Millionen Autos, Fernsehern und Tablet-Rechnern laufen. Android wird das Windows der mobilen Ära – und der Suchkonzern mächtiger, als Microsoft je war“, prognostizieren die Wiwo-Redakteure Thomas Kuhn und Andreas Menn. Android habe seit seinem Debüt im Oktober 2008 eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben: Bereits auf jedem dritten Smartphone, das im vierten Quartal 2010 weltweit verkauft wurde, lief Android, meldete der US-Marktforscher Canalys. Und bei Tablet-PCs, den neuen flachen Internet-Computern vom Schlage iPad, erreichte Android im gleichen Zeitraum schon 22 Prozent Marktanteil, so die Experten von Strategy Analytics. Mit dem offenen Ansatz grenze sich Google radikal von Apple ab. Der Rivale habe sein Betriebssystem iOS richtiggehend eingemauert. Apple bestimme en détail, wie Handy, Betriebssystem und auch die Programme auszusehen haben, die auf den Geräten laufen. Was Konzernchef Jobs nicht gefällt, fällt durch.

Apple und die System-Gastronomie

„Apple bietet perfekte Konformität. Wie System-Gastronomie. Da weiß man immer, was man hat. Wer mit den Einschränkungen ‚des Systems‘ – egal ob McDonalds, Disney oder Apple – zufrieden ist, für den ist es das Paradies. Konsum ohne Nachzudenken. Und wer flexibel ist, kommt in den Genuss von Vielfalt und Freiheit“, kommentiert der Talkabout-Chef Mirko Lange den Zweikampf zwischen Apple und Google. Nach Auffassung des Unternehmensberaters Matthias Schwenk wird die Debatte vom falschen Ende her aufgezogen. „Jeder Typus hat seine Stärken und seine Schwächen. Der wirkliche Unterschied besteht darin, dass Apple das iPhone bislang mit einem sehr hohen Preis ausschließlich am oberen Ende des Marktes positioniert, während es Android-Geräte in allen Preisklassen gibt. Folglich geht es nicht um Benutzerfreundlichkeit, Größe des jeweiligen App-Stores oder Konnektivität zu anderen Geräten des gleichen Herstellers – im Kern ist es eine Frage des Marketings: Preispolitik und Positionierung.“ Apple könnte ohne Not das iPhone billiger anbieten, die exorbitanten Margen würden dies zulassen. „Wenn aber Apple diesen Weg nicht beschreitet, brauchen auch die Fans nicht darüber zu jammern, dass die Konkurrenz mehr Geräte absetzt“, so Schwenk. Android rolle mit unzähligen Herstellern, Mobilfunkern und App-Entwicklern den Markt in der Mitte auf, erläutert der Berliner Kommunikationsmanager Thomas Keup. „Der Erfolg liegt vor allem an dem Leitmotto von Google ‚Be a platform‘. Die ‚Mobile First‘-Strategie des Suchmaschinen-Konzerns ist weder schick noch heilig – sie ist der nächste große Schritt auf dem Weg zu ‚Allways On‘ – auch mit dem iPhone.“

Neue Abhängigkeit von der Google-Dominanz

Android werde nach Meinung von Karl-Heinz Gabler vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies die Oberhand gewinnen. „Android ist ein offenes System. iOS läuft nur auf den Hardware-Plattformen von Apple. Java und Linux als Basis von Android sind bei Softwareentwicklern bekannter als objectiveC, das iOS zugrunde liegt. Dadurch werden immer mehr Apps entstehen, die auf Android basieren“, sagt Gabler gegenüber MarketingIT. Noch habe Apple einen klaren Vorsprung. Spätestens in ein bis zwei Jahren werde allerdings das Betriebssystem von Google gleichziehen. Allerdings seien die vielen Hersteller von Android-Smartphones, die unterschiedlichen Android-Varianten und die ungeordneten Updates ein Nachteil. Es leide auch die Unverwechselbarkeit auf der Herstellerseite. „Durch das Gerät allein kann sich kaum noch ein Anbieter von dem anderen abheben, wenn alle auf das gleiche Betriebssystem setzen“, heißt es im Umfeld von HTC. Zudem verlieren Smartphone-Anbieter und Netzbetreiber einen Teil ihrer Wertschöpfung, so die Analyse von Nash Technologies. Google subventioniere das kostenlose Betriebssystem über Werbung. „Das ist eine Wettbewerbsverzerrung, die für Netzbetreiber und Hersteller zu nachhaltigen Umsatzverlusten von zehn bis zwanzig Prozent pro Jahr führt“, betont Nash Technologies-Manager Bernd Stahl. Die Dynamik des offenen Android-Konzepts führe zu einer Abhängigkeit von der Google-Marktdominanz. „Mir persönlich wäre ein Netzansatz lieber, der föderativ statt monopolisierend ist. Die monetäre Wertschöpfung sollte sich stärker an Inhalten und weniger an Werbung orientieren“, erklärt Stahl. Egal, wer im mobilen Geschäft gewinnen wird, auch Google und Apple unterliegen der Entwicklungslogik von Schumpeter: Der Zwerg von gestern ist der Riese von heute und der Greis von morgen.

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