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Abschalten vom stressigen Job-Alltag: Psychologin erklärt, wie Sie richtig Urlaub machen

Stress gilt als chic, wer viel arbeitet gilt als ein wichtiger Leistungsträger und wird deshalb bei Familie und Freunden höher angesehen. Wer trotzdem Urlaub macht, hat wenigstens vorher mit Buchungen und Vorarbeiten richtig Stress - nach der Rückkehr winken Übergaben und E-Mail-Flut. Dabei sind ein paar Tage Erholung richtig und wichtig, sagt Psychologin Ilona Bürgel.

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Von WirtschaftsWoche Coach

Zurzeit sind noch Sommerferien in manchen Bundesländern. Für viele heißt das: Stress. Vor dem Urlaub wird richtig viel gearbeitet – vorbereiten, delegieren, Übergaben machen – und nach dem Urlaub stapeln sich die Unterlagen auf dem Tisch, die die Vertretung nicht geschafft hat…

ILONA BÜRGEL: Der Stress vor und nach dem Urlaub ist häufig eine selbsterfüllende Prophezeiung: Weil ich erwarte, mir meinen Urlaub regelrecht verdienen zu müssen, wird es in den Tagen davor auch richtig stressig. Weil wir nichts liegen lassen wollen und Sachen abarbeiten, die schon drei Wochen liegen. Dann wird vielleicht zu Hause noch geputzt, damit wirklich alles picobello ist, bevor es in den Urlaub geht. Das sind dann selbstgemachte Leiden.

Das E-Mail-Postfach quillt aber tatsächlich über…

Mancher tut ja regelrecht so, als wäre es etwas Peinliches, Urlaub zu machen. „Entschuldigen Sie bitte, da hatte ich frei“, heißt es dann. In unserer Gesellschaft ist Stress immer noch chic. Wer Überstunden macht, auch samstags ins Büro geht und den Urlaub streicht, der gilt als Leistungsträger. Dabei ist es richtig und wichtig, dass sich Menschen auch mal eine Pause gönnen – und Urlaub machen.

Wie viel Pause muss es denn sein, um dem Wahnsinn im Büro wieder gewachsen zu sein?

Früher hieß es, dass man sich unter zwei Wochen Fernreise sowieso nicht richtig erholen könne. Da ist die Forschung mittlerweile weiter. Man weiß jetzt, dass die Erholung im Alltag nur circa zwei Wochen anhält, egal, wie lange Sie weg waren. Deshalb rät man heute dazu, lieber öfter kleine Trips zu machen, als einmal im Jahr sechs Wochen wegzufahren und dann keinen Urlaub mehr übrig zu haben. Wenn ich nur drei, vier Tage weg bin, türmt sich auch nichts auf dem Schreibtisch. Nach vier Wochen Kreuzfahrt quillt das Postfach natürlich über.

Wer weniger Stress am ersten Arbeitstag möchte, macht also lieber nur Städtetrips am Wochenende…

Machen Sie sich Ihr eigenes Urlaubskonzept, das zu Ihnen und Ihrem Job passt. Alles muss immer individualisiert sein, aber alle machen den gleichen Urlaub: entweder sechs Wochen mit dem Rucksack durch Thailand oder drei Wochen All inclusive in Spanien.

Wenn es aber unbedingt die Weltreise sein muss, wie kommt man entspannt zurück in den Alltag?

Es hilft, sich Puffertage zu schaffen. Wenn Sie wissen, dass ihr Flieger Sonntagabend um halb zwölf landet, nehmen Sie sich den Montag auch noch frei, damit Sie Zeit zum zu Hause ankommen und auspacken haben. Wer montags um sieben wieder auf der Arbeit steht, braucht sich nicht beschweren, wenn die Entspannung nicht lange anhält. Und vielleicht fangen Sie sowieso erst am Mittwoch oder Donnerstag wieder an zu arbeiten. Dann ist die erste Arbeitswoche nicht so lang.

Wie erholen wir uns denn am besten? Yoga, Wandern, beim Bungee Jumping mal den ganzen Ärger rausschreien? 

Wichtig ist beim Erholen im Urlaub, dass Sie etwas ganz anderes machen als im Alltag. Wer beruflich den ganzen Tag vor dem Computer sitzt, wird sich beim Surfen im Netz nicht erholen und ein Garten- und Landschaftsbauer sollte im Urlaub nicht seinen Garten umgraben. Unser Gehirn lernt gern Neues, das belohnt es durch gesteigerte Dopaminausschüttung. Gönnen Sie Ihrem Gehirn also ein paar neue Eindrücke.

Den Garten umgraben klingt nicht nach Urlaub. 

Natürlich können Sie Ihren Urlaub zum Arbeiten nutzen – wenn Sie sich am Ergebnis freuen und keinen Leistungsdruck aufkommen lassen. Wer natürlich sagt: ich muss der Erste im Laden und an der Kasse sein und um 13 Uhr muss alles fertig sein, der erholt sich dabei nicht – und hat auch keinen Spaß an dem, was er tut.

Das Interview erschien zuerst bei WirtschaftsWoche Online

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