Absage des Radio Days: Hörfunker drehen auf leise

Strategie Aus oder Auszeit? Der Radio Day macht 2013 erst mal Pause und will danach – Stand heute – mit neuem Konzept zurückkehren. Die Absage verwundert aufs erste Hören, ist aber gar nicht so abwegig. Die Gattung besinnt sich auf ihre eigentlichen Stärken im Regionalen.

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Von Roland Karle

Keine gute Nachricht für die Feierbiester aus Medien, Marketing und Werbung: 2013 müssen sie einen Termin aus ihrem Kalender streichen, an den sie sich so gewöhnt hatten wie Kinder an Weihnachten. Die von den Veranstaltern gerne als legendär bezeichnete Radio Day Party in der angesagten Kölner Location Halle Tor2 fällt aus.

Es gibt nichts zu feiern, weil der eigentliche Anlass entfällt: Der Radio Day macht Pause. Seit 1995 trafen sich Radioleute mit Vertretern aus Unternehmen und Agenturen jedes Jahr zum inhaltlichen Update, Meinungsaustausch und Smalltalk. Rund 3000 Fachbesucher im Jahr fanden den Weg nach Köln, was die Bedeutung des größten Branchentreffs des Mediums Radio unterstreicht. Der Radio Day war die Zentralveranstaltung, um die wichtigsten Themen und Trends gebündelt aufzunehmen und Manager und Macher zu treffen.

Pause in 2013

Nach 18 Radio Days in jährlicher Folge haben die Ausrichter ARD-Werbung/AS&S Radio und Radio Marketing Service (RMS) nun mitgeteilt, dass sie 2013 eine Pause brauchen. „Es bedarf einer strategischen Neupositionierung, um den Veränderungen in der intermedialen Vermarktungsrealität Rechnung zu tragen“, sagt Oliver Adrian, Geschäftsführer AS&S Radio. Frei übersetzt heißt das: Mit dem bisherigen Auftritt sind wir nicht mehr zufrieden. Der Werbeträger Radio muss neu über seine Stärken und Schwächen im Wettbewerb nachdenken und das eigene Profil schärfen. Dann sehen wir weiter.

Komplett und dauerhaft aufgeben will man den Radio Day aktuellen Beteuerungen zufolge nicht. Er „ist und bleibt ein wichtiger Baustein in der Gattungsarbeit für Radio“, sagt Adrian. Gemeinsam mit RMS arbeite man an einem Nachfolge-Modell. Primäres Ziel sei es, den Fokus wieder stärker auf Themen und Inhalte mit Relevanz für den Werbemarkt zu legen. Der Branchentreff nimmt sich also ein Sabbatical – und soll 2014 „als zentrale Gattungsveranstaltung der Radiobranche dann mit neuem Konzept stattfinden“.

Dabei steht das Radio im Werbemarkt gar nicht schlecht da. Laut Nielsen haben die Sender in den ersten zehn Monaten dieses Jahres ihre Bruttowerbeerlöse um 4,6 Prozent auf 1,24 Milliarden Euro steigern können und kommen auf einen Marktanteil von 6 Prozent bei den klassischen Medien. Lediglich das Internet hat mit einem Plus von 17,8 Prozent kräftiger zugelegt. Neben Internet und Radio meldet nur Fernsehen (plus 2,3 Prozent) ein Werbeumsatzwachstum.

Dennoch beklagen sich nicht wenige Radiovermarkter über eine aggressive Konditionenpolitik von TV und Online, die zu Lasten der Hörfunker gehe. Tatsache ist, dass große Markenartikler das Radio weitgehend meiden und ihre Budgets vor allem für Fernsehwerbung verwenden. Mit Ausnahme von McDonald’s, das rund 15 von 100 Werbe-Euro in Radio investiert, ist kaum einer der größten Werbungtreibenden im Hörfunk präsent. Und wenn doch mal Ausnahmen die Regel bestätigen, dann summieren sich die Werbeausgaben auf homöopathische Dosen. Bei den Markenriesen fällt Radio immer wieder durchs Relevanzraster, weil sie lieber TV belegen und dann kein weiteres elektronisches Medium brauchen. Radio hat zudem einen naturgemäßen Nachteil: Produkte bleiben dort unsichtbar. Und nicht jeder hat eine so einprägsame Audio-Wiedererkennung geschaffen wie Carglass oder ING-Diba.

Radio ist und bleibt relevantes Werbeformat

Als Werbeträger im regionalen Markt kann der Hörfunk nachweislich starke Akzente setzen. Für die Gattung stellt sich daher die Frage, hier das eigene Profil noch deutlicher zu zeigen und die Vermarktungsaktivitäten zu intensivieren. Vielleicht ist auch das ein Grund, sich aus dem großen Schaufenster eines Radio Days zurückzuziehen und über neue Wege zum Werbekunden nachzudenken. Das geht womöglich besser mit einer Tournee durchs Land
als mit einem einmaligen Jahreshöhepunkt in Köln. So lassen sich jedenfalls auch die Worte von Florian Ruckert interpretieren. „Als Vermarkter wollen wir in der gemeinsamen Gattungsarbeit künftig das werbliche Potenzial von Radio noch stärker in den Vordergrund stellen. Unsere gemeinsame Radio-Roadshow soll sich daher primär an unsere Marktpartner in Agenturen und Unternehmen richten“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung RMS.

Wer mehr über Programmtrends und -inhalte erfahren möchte, die auch auf dem Radio Day stets auf der Agenda standen, dem empfiehlt Ruckert einen Trip nach Berlin. Dort finden vom 17. bis 19. März 2013 die Radiodays Europe (www.radiodayseurope.com/) statt. Auch Feierbiester, heißt es, sollen dort auf ihre Kosten kommen.

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