Marketing und Messwert: Was hat der Werbehit des Jahres Old Spice nun wirklich gebracht?

Sie gilt bereits als die Marketingsensation des Jahres oder vielleicht sogar des Jahrzehnts. Die Old Spice TV-Kampagne mit dem denkwürdigen Namen  „The Man Your Man Could Smell Like“ -  notdürftig zu Deutsch - „Der Mann, der so riecht, wie ihr Mann riechen könnte“ hat, wie im Schwerdt-Blog berichtet, Marketinggeschichte geschrieben. Ihr Star, der ehemalige Fußballspieler Isaiah Mustafa, alias „The Old Spice Guy“ gilt mittlerweile als Pop-Ikone.

 

Fragt sich bloß, wie viele Flaschen Old Spice-Body Wash er mit seiner Werbewucht nun tatsächlich verkaufen konnte. An dieser Stelle scheiden sich die Geister. Die Zeitschrift Brandweek spricht unter Berufung auf Nielsen-Daten von einem Umsatzplus von 55% in den letzten drei Monaten seit die Kampagne gestartet wurde, und einem satten 107%-Anstieg in den letzten vier Wochen. Das Marktforschungsinstitut SymphonyIRI
berichtet gar von einer Verkaufssteigerung von 105% im letzten Quartal. Fantastische Zahlen also!

 

Ad Age sieht das allerdings differenzierter. Zwar bestätigt die führende Werbezeitschrift ebenfalls einen beachtlichen Umsatzanstieg für Old Spice, gibt allerdings zu bedenken, dass die Procter & Gamble-Marke lediglich verlorenes Terrain wiedergewinnen, und damit in einer Produktkategorie, die dieses Jahr gesamthaft 8.6% gewachsen ist, grundsätzlich bloß ihre Marktanteile halten konnte. Gerade weil auch andere Wettbewerber, wie Nivea und Dove, mächtig zulegten, führt Ad Age das positive Ergebnis, zum Großteil auf industrieweite, aggressive Coupon-Aktionen, und nicht unbedingt auf den spektakulären Old Spice-Guy zurück.

Immerhin räumt auch Ad Age ein, dass die virale Kampagnenkomponente, sprich jene bei der Isaiah Mustafa auf YouTube persönlich und individuell auf 186 Kommentare zu seinen Auftritten einging, noch nicht in die obenstehenden Verkaufszahlen eingeflossen ist.

Dass diese bislang ungekannte Ergebnisse erzielen konnte, steht außer Frage. Hier ein Kurzüberblick: 34 Millionen Hits auf YouTube, über eine Million PR-Eindrücke, 80.000 zusätzliche Twitter- und 600.000 Facebook-Follower, sowie ein Besucher-Anstieg von 300% auf OldSpice.com.

Sicher, es wird spannend sein, zu beobachten, wie viel die virale, personalisierte Social Media-Werbekomponente nun tatsächlich in Sachen Verkaufsplus gebracht hat – so man das überhaupt schlüssig ermitteln kann. Mir scheint eine übermäßige Konzentration auf diesen Wert allerdings wenig zweckdienlich. Fest steht: Procter & Gamble hat mit der cleveren, integrierten Kampagne seiner verstaubten „Old Spice“-Marke ein völlig neues, modernes Image verpasst und wieder Begehrlichkeit für die Produktlinie geschaffen. Dass er zudem auch weiterhin klassische, verkaufsfördernde Maßnahmen, wie eben die erfolgreiche Coupon-Aktion fährt, macht Marketingsinn. Und dass innovative und traditionelle Werbeaktionen nicht nur koexistieren sondern einander auch verstärken, ebenso.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Neue Perspektive im Social Shopping: Gefragt ist das Feedback von Fremden!

Kennen Sie das? Ein wichtiger Termin steht an, und Sie wissen nicht, was Sie anziehen sollen. Oder:  Sie stehen in einem Kleidergeschäft, und können nicht entscheiden, welches Outfit Ihnen besser steht. Der Meinung von anwesenden Partnern, Freunden und Verkäufern trauen sich aus unterschiedlichen Gründen nicht so ganz. Sie wünschten, Sie könnten sich an Dritte, wohlwollende Unabhängige wenden. Jetzt können Sie.

Seit kurzem gibt es nämlich Websites, wie Fashism oder Go Try It On, die in solchen Situationen umgehend Hilfe leisten. Sie brauchen bloß, Ihr Handy zücken, rasch ein Foto von sich knipsen einschicken und um Rat fragen. Innerhalb von Minuten bekommen Sie dann Feedback von wohlmeinenden, aber objektiv-urteilenden Fremden, und wissen, welches Hochzeitskleid besser aussieht, und ob der neue Nadelstreifanzug klasse oder konservativ wirkt.

 NYT

Bei den neuen Online Foren, wie Fashism und Go Try It On, werden die öffentlichen Rückmeldungen zwar nicht zensiert, aber dennoch sorgfältig moderiert, um sicherzustellen, dass sie sachlich und freundlich blieben. Die besten Kommentare bekommen zudem Gutpunkte, die man bei diversen online Anbietern einlösen kann.

Die neuen Sites kommen bei Ratgebern und Ratsuchenden gleichermaßen ausgezeichnet an. Offenbar trifft hier nämlich die Kommentarbereitschaft der Öffentlichkeit auf das Fremdenfeedback-Bedürfnis des Einzelnen. "Fashism kann ehrlicher und konstruktiver sein, als jeder Freund oder Partner", schreibt beispielsweise ein User in der New York Times.

Besonders interessant ist diese Erkenntnis für die Bereiche Social Marketing und Social Shopping. Denn bislang konzentrierten sich beide auf das Feedback von Fans und Freunden. Zuweilen scheint uns allerdings, die Rückmeldung von Fremden noch mehr zu bedeuten.

Einzelhändler dürften diese Erkenntnis, wohl bald schon zu nutzen wissen. Etwa, in dem sie selbst solche unabhängigen Feedback-Foren anbieten, oder auch nur indem Sie auf bestehenden Sites verweisen und Fotoaufnahmen und -uploads in ihrem Laden ermutigen. Wie auch immer: Die Einbindung von Fremden-Feedback dürfte das Kaufvergnügen maximieren, Entscheidungsschwächen ausgleichen und Absatzahlen steigern.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Facebook-Selbstmord: Ein Trend?

“Ich trage mich ernsthaft mit dem Gedanken, Facebook-Selbstmord zu begehen“, erklärte uns ein junger Freund neulich. Unseren erschreckten Blick quittierte er bloß mit einem Achselzucken. Das Dasein auf der Social Media Plattform habe für ihn einfach keinen Sinn mehr, meinte er lapidar. Er fühle sich ausgenützt und unendlich gelangweilt vom Strom irrelevanter Meldungen in seinem News Feed.

Unser Freund ist nicht allein. Laut jüngsten Untersuchungen soll sich in den USA jetzt ein latenter Facebook-Überdruss breit machen. Im letzten Monat verzeichnete die Plattform bei den 18-44 Jährigen erstmals rückläufige Nutzungszahlen. Kurz davor, also Mitte Mai, veröffentlichte das vielgelesene am New York-Blatt einen Beitrag zum Thema "Unfriending Facebook“ und die New York Times sinnierte in einer populären Glosse über „das Leben nach Facebook“ nach.

Viele Beobachter führen den zunehmenden Facebook-Frust primär auf Datenschutzprobleme zurück und zitieren die Sicherheitslücken der umgehenden Personalisierungs-Funktion, die User-Infos automatisch an Dritte, wie Yelp und Pandora, weiterleitet. „Facebook ist einfach nicht mehr lustig“, meinen andere, wie etwa Aaron Shapiro im Online Media Blog. Man müsse erst jede Menge Status Updates von Apps, Unternehmen, und Medien durchkämmen, bevor man endlich zu persönlich-relevanten News gelange. Das sei strapaziös und verfehle den eigentlichen Zweck der Anwendung, nämlich die Verbindung mit Freunden und Bekannten aufrecht zu erhalten.

Klar, der mangelnde Datenschutz und der überschüssige Datenfluss machen Facebook nicht attraktiver für private User. Trotzdem sind beide nachvollziehbare, wenn auch nicht gerade erfreuliche Begleiterscheinungen der Zuckerbergschen-Monetisierungsstrategie.

Mir scheint, das keimende Problem von Facebook liegt an der schwierigen Integration von Business und Pleasure, sprich am heterogenen Userkreis. Weil alle Welt auf Facebook war, stürzten sich auch die Unternehmen auf die Plattform; und weil Facebook damit allmählich vom Social Medium zum Social Marketing-Medium mutiert, verlassen jetzt die ersten Verbraucher das zweckentfremdete System. Wenn sich diese Entwicklung perpetuiert, werden wohl auch die meisten Unternehmen wieder abspringen.

Wie entkommt ein soziales Netzwerk dem oben genannten Teufelskreis? Möglicherweise indem es sich klar für einen Hauptzweck entscheidet, wie etwa LinkedIn mit seinem klaren Business-Fokus, und neuen Plattformen, wie Formspring.me, und Diaspora.com mit ihrer Verbraucher-Ausrichtung.

Schade eigentlich, weil eine gewisse Mischform sehr wohl Berechtigung haben sollte. Schließlich sind Verbraucher auch oder sogar gerade im Freundeskreis an gewissen Business-News, allen voran Tipps und Empfehlungen, interessiert. Ob Unternehmen aus der Entwicklung lernen und damit dem schleichenden Facebook-Selbstmord Einhalt gebieten können? Was meinen Sie?

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Toning-Schuhe: Traum und Wirklichkeit

Alle Jahre wieder kommt ein Schuhwerk auf den Markt, das sich blitzschnell zum Renner entwickelt. Bekannte Beispiele: Moon Boots, Uggs, und Crocs.

 

Jetzt machen „Toning Schuhe“ ungeheur viel von sich reden. Die neuen Sneaker haben eine abgerundete Sohle, funktionieren nach dem Schaukelstuhl-Prinzip, und verheißen ihren Trägern nach kurzer Zeit eine bessere Haltung, wohlgeformtere Beine und ein strafferes Gesäß. Kein Wunder also, dass sie so fantastisch ankommen und gegenwärtig den raschest-wachsenden Teil des gigantischen Sportschuhmarktes stellen.

Führende Hersteller, die mit ihrem herkömmlichen Sortiment noch im letzten Jahr rückläufige Absatzzahlen verbuchen mussten, stürzen sich nun mehrheitlich auf das neue Hitprodukt und warten mit immer schickeren, funktionstüchtigeren Variationen des Toning-Schuhs auf. Zudem überbieten sie einander mit verheißungsvollen Slogans. "Get in Shape Without Setting Foot in a Gym," heißt es beispielsweise bei Sketchers, und Reebok versichert, "EasyTone shoes help tone your butt and legs with every step,"

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es wahrscheinlich auch.

 

Jedenfalls bekräftigen immer mehr Orthopäden, dass es sich bei den Claims um leere Versprechen handelt. „Völliger Blödsinn“ meint beispielsweise Professor Barbara de Lateur von der Johns Hopkins University's School of Medicine in Baltimore. Sie und andere warnen zudem vor potenziellen Gesundheitsrisiken. Die Schuhe würden ihre Träger leicht aus dem Gleichgewicht bringen, ihren Gang verändern, und bisweilen zu Verletzungen der Achillessehne führen. Das sei besonders bei älteren Menschen und jenen, die nicht ganz sicher auf den Beinen sind, ein echtes Problem. Andere Experten urteilen zwar etwas milder, zweifeln aber ebenfalls an der vielgepriesenen Toning-Wirkung der Sneaker.

 

Gegenstimmen werden also stetig lauter; trotzdem sind die Toning-Schuhe weiterhin unverdrossen auf Siegeszug. Eigentlich erstaunlich: Wir haben in letzter Zeit mehrfach beobachten können, dass heute Ehrlichkeit und Transparenz im Marketing punkten, und dass Schönfärberei konterproduktiv wirkt.

 

Wieso können sich die Toning Schuhe dann so eindrucksvoll durchsetzen? Liegt es an der guten Erfahrung der bestehenden Nutzer, die den diversen medizinischen Gutachten empirisch widerspricht? Oder liegt es daran, dass unsere Sehnsucht nach müheloser Köperstraffung unseren gesunden Menschenverstand übertrumpft?

 

Wie dem auch sei: Der Toning-Schuh, der bislang noch zu 90% von Frauen getragen wird, soll sich bald flächendeckend durchsetzen und noch dieses Jahr einen Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar einspielen.

 

Aus der Marketing-Metropole New York:

Yvette Schwerdt

Richtig dufte: Old Spice schreibt "Social Media Marketing"-Geschichte

Wow! Old Spice begeistert Amerika dieser Tage mit unglaublich originellem Marketing. 

Der Herrenkosmetik-Hersteller hat bekanntlich mit Hilfe von Wieden + Kennedy eine witzig-frivole TV-Werbekampagne ersonnen.  Sie zeigt den gutgebauten ehemaligen Sportler Isaiah Mustafa von seiner besten Seite und hat letzte Woche einen Emmy gewonnen.

Die Spots wurden natürlich umgehend auch auf YouTube bereitgestellt und konnten innerhalb kürzester Zeit ein vielfaches Millionenpublikum begeistern.

So weit, so fantastisch. Heute hat die Kampagne aber nochmal eine ganz neue Social Media-Dimension hinzugewonnen. Isaiah Mustafa geht dabei als Old Spice-Mann mit personalisierten YouTube-Videos auf individuelle Twitter und YouTube-Kommentare zu seiner Person und zur Old Spice-Werbung ein.

Beispiel: YouTube-User "Stormyweather21" hat neulich dem nur mit einem Handtuch-bekleideten Mustafa folgendes neckisches Feedback geschrieben:  "Where do the jeans come from LOL!!!!"... Er gab daraufhin heute diese Antwort.

Mittlerweile hat Old Spice bereits jede Menge personalisierter Videos live geschaltet. Mustafa reagiert dabei stets individuell auf einzelne Kommentare von bekannten und unbekannten Zusehern. Weitere Beispiele, etwa seine Videoantwort an @Gizmodo, Starbucks, huffingtonpost, usw. finden Sie hier im Auswahlmenü.

Mit den humorvollen Spots, der gelungenen Integration von TV, YouTube und Twitter und der Bekenntnis zum personalisierten Kundenengagement hat Old Spice dem ehemaligen Altherrenduft einen ultramodernen Touch verpasst.

Im Marketing hat sich der Erfolg bereits überzeugend eingestellt. Im Vertrieb wird er wohl auch nicht lange auf sich warten lassen.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Was Frauen und Pizza gemein haben… oder auch nicht

Domino revolutioniert die Lebensmittelwerbung. Erst neulich habe ich hier von der Mea Culpa-Strategie der Pizzakette berichtet -- davon, dass sich CEO Patrick Doyle jetzt öffentlichkeitswirksam zu den Fehlern der Vergangenheit bekennt und Besserung gelobt, und davon, dass sich die Reue für das Unternehmen bereits vielfach gerechnet hat.

 

Diese Woche hat der Pizzaking mit einer neuen Kampagne den nächsten Schritt in seinem Ehrlichkeits-Feldzug gesetzt. Die Grundidee: Gute Pizza sieht auch ganz ohne Retouchierung köstlich aus. Fortan werden also alle Domino-Lebensmittel-Abbildungen, sprich in TV, Print und online, ganz ohne Photoshop-Kunstgriffe auskommen müssen.

 

Die Kampagne wurde von Crispin Porter + Bogusky ersonnen und umfasst auch eine Website, mit dem einladenden Titel "Show Us Your Pizza". Teilnehmer sollen echte, unretouchierte Pizzabilder einschicken. Die Besten werden mit 500 Dollar dotiert und für Werbezwecke genutzt.

 

Die Ähnlichkeit der Domino-Kampagen mit der “ Real Beauty”-Kampagne von Dove ist unübersehbar. Auch dort setzte der Hersteller bekanntlich auf das Authentische und zelebrierte, anhand einer revolutionären Umkehr-Werbetaktik, die Schönheit echter Frauen anstelle der bislang üblichen Kunstbilder.

 

Viele Beobachter sind begeistert und prophezeien der Pizzakette großen Erfolg mit der neuen Kampagne. Ich begrüße ihr Bekenntnis zur kompromißlosen Ehrlichkeit zwar ebenfalls aus vollem Herzen, die wohl nicht ganz ungewollte Assoziation mit der Dove-Kampagen finde ich allerdings weniger amüsant als fragwürdig.

 

Was meinen Sie? Auf der einen Seite: Frauen und ihr Selbstwertgefühl; auf der anderen Seite: Pizza und ihr Darstellungsvermögen. Ob das wohl ein geglückter Vergleich ist?

 

Aus der Marketing-Metropole New York:

Yvette Schwerdt

Studie bestätigt die Wirkung von online Werbung auf Frauen

“Was Frauen vom Web wollen” lautet der Titel einer aktuellen Studie, bei der Unicast 516 amerikanische Frauen zu ihren Internet-Gewohnheiten und –Vorsätzen befragte. Ergebnis: 95% nutzen das Internet regelmäßig und planen das auch in Zukunft weiter so zu halten. Und: Die online Werbung kommt bei Frauen an, vor allen bei den jungen Damen im Alter von 18-24 Jahren. Besonders werbeaufgeschlossen sind aber die regelmäßigen Blogleserinnen. Zwar ist diese Gruppe mit 13% der Befragten noch recht klein. Sie bestätigt aber einmal mehr die Erkenntnis, dass Frauen auf Werbungen und Empfehlungen von vertrauenswürdigen Quellen am stärksten reagieren.

Hier zunächst einen Überblick über die populärsten online-Aktivitäten der amerikanischen Frauen:

76%: kommunizieren mit Familie und Freunden
67%:lesen Nachrichten
64%:shoppen und vergleichen Preise
59%: unterhalten sich mit Spielen, Musik und Kinofilmen
48%: recherchieren Reise- und Urlaubsziele

Hier eine Aufstellung über die Art von Werbung oder Promotion, die bei Frauen punktet.

46%: Ausverkauf und Preisnachlässe
31%: Gewinnspiele
24%: personalisierte, lokale Informationen
 22%: interaktive Befragungen.

Hier schließlich die Produktwerbungs-Prioritäten:
35%: Unterhaltung
33%: Lebensmittel, Getränke, Pharma und Kosmetik
30%: Modeartikel
 27%: Reiseziele
20%: Spiele

Nachdem in Amerika Frauen bekanntlich die meisten Familienausgaben tätigen, beispielsweise 92% der Ferien buchen und 95% der Lebensmittel einkaufen, sind diese Ergebnisse für Werbetreibende besonders relevant. Unternehmen, die die genannten Produktkategorien führen und steigende Budgetanteile ins online Marketing investieren, werden sich durch diese Studie bestätigt fühlen.

Näheres zur Studie hier: http://www.unicast.com/Pdfs/what_women_want_from_the_web_2010.aspx

Aus der Marketingmetropole New York
Yvette Schwerdt


Amerika im SillyBandz-Fieber

Sie sind klein, kunterbunt und kolossal beliebt. SillyBandz, die lustigen Gummiarmbänder von BCP Import gibt es in diversen Formen - etwa niedliche Tiere, Musikinstrumente oder Märchengestalten. Sie kommen im Zweidutzend-Pack für 4,95 Dollar und haben sich in den USA innerhalb kürzester Zeit zum Must-Have Accessoire des Jahres entwickelt. Jungs und Mädchen tragen sie mit ähnlich-leidenschaftlicher Begeisterung, und mittlerweile zieren sie sogar die Arme von tonangebenden Promis, wie Sarah Jessica Parker und Mary-Kate Olsen.


 

Die öffentliche SillyBandz-Manie geht soweit, dass einige Schulen kürzlich beschlossen haben, die Gummibänder auf ihrem Campus zu verbieten. Begründung: Sie würden die Kinder allzu sehr vom Unterricht ablenken und vielen auch die Blutzirkulation abschneiden, weil sie gleich einen ganzen Armvoll davon tragen. Das Verbot scheint der SillyBandz-Popularität aber keinen Abbruch getan zu haben.  Im Gegenteil.

In 2008 erwirtschafteten die Bändchen gerade mal 10.000 Dollar. Dieses Jahr werden es wohl mehr als 100 Million Dollar werden. Toys R Us allein verkauft Zehntausende Päckchen am Tag und bezeichnet die Armreifen als das „heißeste Produkt der Saison“. BCP Imports hat zudem Deals mit diversen Kooperations- und Lizensierungspartnern abgeschlossen. Rechtzeitig zum Schulbeginn im Herbst gibt es eine Riesenpromo Toys R Us, die Restaurantkette Quiznos bietet heute bereits ein eigenes SillyBandz-Kindermenu an. Natürlich gibt es auch jede Menge Nachahmer. Schließlich sind die Bänder einfach und billig zu produzieren. Forever Collectibles, etwa, erzeugt ähnliche Armreifchen und erfreut sich damit ebenfalls galoppierender Umsätze.

Warum die SillyBandz gerade jetzt so einschlagen, ist nicht ganz klar. An einem ausgeklügelten Marketingprogramm wird es wohl nicht gelegen sein, denn die Bändchen wurden lediglich über Mundpropaganda, und viral über Facebook, Twitter, und YouTube beworben. Einleuchtender ist wohl die Erklärung, dass der Markt wieder reif war, für eine neue Modererscheinung, wie seinerzeit die Live Strong- Armbänder oder die Crocs-Sandalen. Gerade in wirtschaftlich noch unsicheren Zeiten, kommt wohl der niedrige Einstiegspreis hier auch noch begünstigend hinzu.

Natürlich liegt der Erfolg auch an dem Produkt selbst, weil es nicht nur nett aussieht und Kinder als Accessoire gefällt, sondern auch, weil es sich als Sammel- und Konversationsobjekt anbietet und zu regen Tauschgeschäften animiert. Zudem wird es auch von sämtlichen Handelsketten emsig gefördert, weil es erwiesenermaßen dazu beiträgt, Kunden in den Laden zu bringen.

Kurz:die lustigen SillyBandz stehen für Wonne und Wachstum und sind aus dem US-Alltag heute nicht wegzudenken. Beobachter sind sich einig, dass es sich bei dem Hit um eine rasch vergängliche Modererscheinung handelt. BCP-Chef, Robert Croak sieht das anders. Er plant eine internationale SillyBandz-Expansion und denkt über weitere SillyBandz-Anwendungen nach.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Coca-Cola Marketing zur Fußball-WM

Alle Welt schaut Fußball, und Coca-Cola sieht eine einzigartige Marketingchance. Jedenfalls fährt der Hersteller zur Feier des Sportereignisses die größte Marketingkampagne seiner ohnehin bereits ruhmreichen Werbegeschichte. Wie das Wall Street Journal berichtet, spricht Coca-Cola dabei 160 unterschiedliche Länder an und soll, Schätzungen zufolge, rund 600 Millionen Dollar in Sponsorships, Give-Aways, Promotionen, und andere internationale Initiativen fließen lassen.

Schwerpunktmäßig fokussiert sich die Kampagne allerdings auf den Kontinent Afrika. Im Unterschied zu vielen seiner Mitbewerbern hat der Hersteller dort zwar bereits eine beachtliche Präsenz -- Südafrika allein gilt schließlich als der neuntgrößte Markt von Coca-Cola – er will seinen bestehenden Vorsprung aber weiter auszubauen.

Deshalb hat er über 1.000 Lokale, in denen sich vornehmlich schwarze Südafrikaner zum geselligen Zusammensein einfinden, mit Fußball-verwandten Sondergegenständen, etwa TVs in rotem Plastikgehäuse, Bartischen mit Coke-Logo und dergleichen mehr, ausgestattet. Zudem macht er sich bei der einheimischen Bevölkerung mit der Verlosung von 20.000 Freikarten beliebt.

Kernstück der internationalen Megakampagne ist hingegen die online- und TV-Werbung, die, ganz im Sinne der generellen „Happiness“-Botschaft von Coca-Cola, die vorherrschende Lebenslust in Afrika feiert. Ein Fernsehspot zeigt den kamerunischen Fußballspieler Roger Milla, der seine Treffer bei den Weltmeisterschaftsspielen in 1990 stets mit einem spontanen Tanz um die Eckfahne zu zelebrieren pflegte. Hier der Spot:

Ziel der Megakampagne ist natürlich die Absatzsteigerung. In 2006 konnte der Hersteller, anlässlich der Fußballweltmeisterschaft, einen 5% Umsatzzuwachs verbuchen. Jetzt hofft er auf einen zumindest ähnlich-großen Erfolg. Der dürfte ihm mit der großangelegten, stimmungsvollen Kampagne wohl auch gesichert sein.

Erzrivale PepsiCo hält inzwischen natürlich auch nicht still. Seine Fußball-Weltmeisterschaftskampagne scheint zwar wesentlich bescheidener ausgefallen zu sein, besticht aber auch mit dem „Oh Africa“-Titelsong von Akon und dem dazugehörigen TV-Spot, der auf YouTube bislang über 1,2 Millionen Hits verzeichnen konnte, und damit sogar sein Coca-Cola-Pendant übertraf.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Gutes Zeichen: Neuer Megaladen am Times Square

Am Times Square gibt es seit letztem Freitag wieder einen neuen Einkaufspalast zu bewundern. Der kalifornische Textilriese Forever 21 ist nämlich in die ehemalige Heimstätte des mittlerweile maroden Virgin Megastores auf der 46 Straße und Broadway eingezogen. Der Laden ist 28.000m2  groß, sprich rund 1,5 Mal so groß wie ein Fußballplatz, verfügt über 151 Ankleidekabinen und 32 Kassen, und beschäftigt 600 Angestellte.

Der Launch wurde, ganz nach Broadway-Manier, mit gigantischen Festivitäten eingeläutet. Am Vorabend der offiziellen Eröffnung gab es eine Megaparty, am Tag selbst lockte ein Feuerwerk an Aktionen und Attraktionen neugierige New Yorker in Scharen an. Sogar  Bürgermeister Bloomberg ließ es sich nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen. Dabei scherzte der sonst eher nüchterne Politiker, der Laden könnte unter Umständen selbst den legendären „Naked Cowboy“ dazu veranlassen, sich ein paar Hosen zu kaufen.

Times Square Billboard by Space150 from Cliff Kuang on Vimeo.

Forever 21 hat jedenfalls ehrgeizige Pläne. Im neuen Times-Square Laden will der Modeanbieter täglich mindestens 100.000 Kunden bedienen, gesamthaft gedenkt er dieses Jahr 3 Milliarden Dollar erwirtschaften. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt er weiterhin auf aggressive Expansion. Das gilt sowohl für seine Standorte – Forever 21 nutzt dabei bewusst die Chancen, die der rezessionsgeplagte amerikanischen Immobilienmarkt bietet – als auch für sein Sortiment.

Ursprünglich hatte Forever auf junge Damenmode gesetzt. Seit einigen Jahren kleidet die Billigkette aber auch Herren und Kinder ein. Bald sollen weitere Produktkategorien, hinzukommen.

Bleibt die Frage, ob sich eine solche Riesenexpansion überhaupt lohnen kann, und ob der Teen-Markt, den Forever 21 nun mal vorrangig anspricht, nicht schon längst saturiert ist. Am Times Square selbst gibt es ja bereits jede Menge erfolgreicher Anbieter, etwa Aeropostale und American Eagle Outfitters. Letzterer punktet im Übrigen nicht nur mit seinem Warenangebot sondern auch mit seiner Werbung. Bei American Eagle Outfitters können Besucher sich nämlich ablichten und ihr Konterfei dann minutenlang auf einer Megascreen am Times-Square zur Schau stellen lassen.

Forever21 fürchtet allerdings weder die Konkurrenz noch die eigenen Courage. Im Gegenteil. Der Anbieter hat sich bereits der nächsten Herausforderung zugewandt. Noch dieses Jahr will er in Las Vegas einen 37.000 m2 –Laden eröffnen.  New Yorker werten seinen Mut und seine Initiative jedenfalls als Zeichen, dass es mit ihrer Stadt wirtschaftlich wieder aufwärts geht.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Heim und Handy

Hand aufs Herz: Gehören Sie auch zu den Menschen, die es sogar daheim nicht lassen können, immer wieder einen Blick auf ihren mobilen Bildschirm zu werfen? Wenn ja, keine Sorge: Sie sind in bester Gesellschaft. Wie Online Media Daily berichtet hat die Medienagentur Initiative  8.000 internationale Smartphone-User zu ihrem Handy-Konsum befragt und ermittelt, dass mittlerweile 60% der mobilen Internetnutzung im trauten Heim stattfindet.

"Das mobile Internet hat unseren Bedarf nach konstanter Verbindung mit der Außenwelt drastisch gesteigert“, so die Studienverfasser. Das Gerät sei ständig im Einsatz und bleibe meist nur beim Sport oder während live Veranstaltungen ausgeschaltet.

Tatsächlich beginnen rund 30% der Befragten ihren Tag mit dem Handy, mehr als 45% beenden ihn damit. Die allermeisten Menschen checken ihr Mobiltelefon aber erstaunlicherweise abends, wenn sie daheim entspannen und anderen Medien nutzen. Rund die Hälfte der Smartphone-Inhaber blättern beim Fernsehschauen und Radiohören im mobilen Netz. Knapp 40% fahren gleichzeitig mobil und online, und 34% surfen am Handy, während sie Zeitung lesen.

Fazit: Unternehmen können die mobile Plattform zur Verstärkung ihrer Botschaften in anderen Medien nutzen. Wer seine Werbung mit mobilen Handlungsaufforderungen anreichert, dürfte damit gleich doppelt punkten. So kann ein TV-Spot im Abendprogramm Zuseher gleich auch einladen, an Ort und Stelle, per Handy zu bestellen und damit einen Sonder-Rabatt geltend zu machen.

Weitere interessante Erkenntnisse: Apps sind international im Vormarsch. Die meisten Anwendungen sind zwar kostenfrei, aber Verbraucher sind auch bereit, für Komfort und Qualität zu bezahlen. In den USA, beispielsweise, haben 60% der Handy-Inhaber bereits mehr als 5 Dollar für Apps berappt. Trotzdem beteuern die meisten, sie würden, als Gegenleistung für die Anwendungen lieber Werbung gucken, als Bares zahlen. Apropos zahlen: Das Mobiltelefon setzt sich, laut Studie, auch als Zahlungsmedium immer stärker durch. Mehr als 32% der US-Verbraucher, so Initiative, nutzen gegenwärtig „pay-by-mobile“. Eine andere, aktuelle Studie von Gartner kommt allerdings zu unterschiedlichen Ergebnissen. Demnach sollen dieses Jahr zwar weltweit mehr als 108 Millionen Menschen mobile Zahlungen tätigen – allerdings stammen die meisten davon, sprich 63 Millionen, aus Asien. Amerikaner und Westeuropäer, bleiben mit 3,5 Millionen und 7,1 Millionen, in Sachen mobile Payment noch auf der Strecke.

 

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Kostenloser WiFi-Zugang und wertvolle Zusatzinhalte bei Starbucks

Ab 1 Juli gibt es US-weit in allen Starbucks Läden kostenlosen Internetzugang. Das kündigte Montag Howard Schultz bei der Wired Business Conference in New York an. Die News machte rasch die Runde und wurde allgemein mit großer Begeisterung aufgenommen.

Eigentlich merkwürdig: Schließlich bieten die meisten Cafés, allen voran Starbucks-Erzrivale McDonald's, bereits seit Längerem einen solchen Service an. Bei Starbucks konnte man sich hingegen bislang nur mit einer registrierten Starbucks-Karte ins Netz einwählen. Wer keine besaß, musste bar zahlen.

Damit soll aber künftig Schluss sein. Starbucks will künftig nicht nur mit anderen Kaffehäusern gleichziehen, sondern auch einen Zusatznutzen bieten. Im Herbst soll das Unternehmen ein eigenes digitales Netzwerk freischalten und damit Kunden Zugang zu Inhalten und Informationen geben, die sie sonst nirgendwo bekommen können. Zu diesem Zweck kooperiert Starbucks mit einer Reihe namhafter Partner, wie Yahoo und AOL.

 

Zudem werden Kunden auch kostenlos auf  Wall Street Journal-, Zagat-, USA Today-, und New York Times-Inhalte zugreifen und ein „Free Pick oft he Week“ von iTunes herunterladen können. Was sie nicht sehen werden: Werbung. Warum, das erklärte Schultz bei der Wired Business Conference so: „Die Gesetze zur Generierung von Kundenengagement haben sich grundlegend verändert. Kunden sind wesentlich misstrauischer als ehedem.“ Unternehmen müssten, so der Starbucks-Chef weiter, verlorengegangenes Vertrauen wiederherstellen. Wertvolle, werbefreie Inhalte und Social Media Marketing sind für ihn wohl Mittel zum Zweck.

Der Kaffeeking hat ja schon immer davon geträumt, mit seinen Läden einen Third Place, sprich eine Alternative zu Heim und Arbeitsplatz, zu schaffen. Mit dem kostenfreien Internet-Zugang und dem werbefreien, inhaltsreichen Netzwerk dürfte er diesem Ziel sicher ein Stück näher rücken. Die heutige Starbucks-News mag also überfällig sein, willkommen ist sie hierzulande aber allemal.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

World Innovation Forum 2010 zum Thema Social Data

Twitter-Mitbegründer, Biz Stone, und der ehemalige Chief Scientist von Amazon.com, Andreas Weigend, waren gestern die letzen beiden Sprecher beim World Innovation Forum. Sie hätten unterschiedlicher nicht auftreten können.

Der Vortrag von Weigend war unterhaltsam und lebhaft, gespickt mit Twitter-fertigen Bonmots, etwa wenn er den Weg von der “industrial revolution über die information revolution bis hin zur social data revolution”  oder vom „e-business, über das me-business, zum we-business“ nachzeichnete. Und wenn er beteuerte: „ Wir hinterlassen heute freiwillig mehr persönliche Informationen auf Facebook, als der KGB jemals unter Folterzwang aus uns herausbekommen hätte können.“

Stone wirkte in seiner moderierten Session hingegen eher einsilbig. Er bestach trotzdem durch sein bescheidenes Auftreten und seine Ernsthaftigkeit.

In Sachen Inhalt und Botschaft waren sich Weigend und Stone aber so unähnlich denn doch nicht. Stone empfahl Unternehmen Twitter zunächst als Search Tool zu nutzen und die öffentliche Konversation über die eigene Marke zu verfolgen. Wenn sich die Gelegenheit böte, könnten sie sich dann aktiv an der Diskussion beteiligen. Weigend riet Unternehmen ebenfalls dringend, ihren Kunden zuzuhören. Heute seien User nämlich nicht mehr auf die Auskünfte von Unternehmen angewiesen, sondern würden sich untereinander austauschen und gemeinsam Power aufbauen.

Beide Sprecher riefen nach unbedingter Authentizität in der Unternehmenskommunikation und beide meinten, der beste Impetus für Innovation käme stets vom Kunden selbst. So habe Twitter beispielsweise „Reply“ und „Retweet“ als offizielle Features eingeführt, nachdem Kunden sich diese Funktion eingerichtet hatten.

Was mir im Übrigen noch auffiel: Als der Twitter-King Ashton Kutscher im letzten Herbst bei der IAB-MiXX-Konferenz sprach, traf er auf ein volles Haus. Twitter-Mitbegründer, Biz Stone, musste sich hingegen mit einem halbleeren Saal begnügen. Was diese Tatsache wohl über unsere Gesellschaft und ihre Interessen bekundet?

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

World Innovation Forum 2010: Wertschöpfung in Medizin und Marketing

In New York ist diese Woche wieder eine ganze Menge los. Die mittlerweile bereits legendäre Internet Week lockt mit über 200 Veranstaltungen und einer Reihe ebenso amüsanter wir lehrreicher Präsentationen. Heute und morgen findet zudem auch das World Innovation Forum statt, das führende Denker und Strategen aus den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen, einschließlich dem Twitter Mitbegründer Biz Stone und dem Marketingguru Seth Godin, zusammenführt.

Ich habe mir heute Morgen die Keynote Session von Michael Porter beim World Innovation Forum angehört. Der Professor an der Harvard Business School sprach über den Status und die notwendige Entwicklung im US-Gesundheitswesen und brachte dabei auch Beispiele aus Deutschland und Schweden mit ins Spiel. Sein Fazit: Das amerikanische Gesundheitswesen ist völlig veraltet und braucht eine Generalüberholung. Es krankt aber weder an einem medizinisch-wissenschaftlichen, noch an einem technologischen Rückstand, sondern vielmehr an der hoffnungslos-unzeitgemäßen Organisation und Service-Verabreichung.

Worauf es ankommt? Auf maximale Wertschöpfung, sprich darauf Patienten, den maximalen Wert für ihr Geld zu bieten. Das Ziel dürfe nicht Kostenreduktion, sondern vielmehr Qualitätssteigerung,  sprich qualifiziertere Vorsorge, gezieltere Pflege, und messbar-bessere Gesundheit, sein. All das diene wiederum der Wirtschaft, denn Krankheitskosten seien nun mal wesentlich höher als Vorsorgeleistungen. „Qualität ist kostenlos“ zitierte Porter den Managementguru  Philip Crosby.

Wie man Wert im Gesundheitswesen maximieren kann, das zeigte Porter, anhand eines Beispiels aus Deutschland. Hier verursachten Migränen lange Zeit viel menschliches Leiden und schwellende nationale Kosten. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass Patienten wie „Ping Pong“ Bälle von einem Spezialisten zum anderen gesandt wurden, dabei eine Menge Aufwand anfiel, aber wenig konkrete Resultate erzielt werden konnten. Vor einigen Jahren wurde dann ein neues Behandlungsmodell eingeführt, das sich auf den Patient und seine spezifischen Beschwerden konzentriert. Im westdeutschen Kopfschmerzzentrum arbeiten diverse Spezialisten interdisziplinarisch zusammen. Dieser integrierte, spezialisierte Aufwand habe anfänglich zwar höhere Kosten verursacht, nach nur acht Monaten habe man aber den Break Even Point erreicht, danach wären die Behandlungskosten gesunken und seien jetzt rund 25% niedriger als im traditionellen Pflegemodell.

Während ich Porter zuhörte, überlegte ich die Implikationen fürs unsere Zunft. Im Marketing sollte es wohl auch nicht in erster Linie darum gehen, Kosten zu senken, sondern vielmehr darum, Qualität zu steigern. Denn, wenn es Unternehmen gelingt, ihr Marketing auf Anhieb erfolgreich zu gestalten, maximieren sie nicht nur, ihre Einnahmen; sie vermeiden auch kostenreiche Prestigeverluste und Nachbesserungsaufwände. Das alles ist zwar nicht neu, aber immer noch aktuell. Dass Defizite im Marketing, genau wie in der US-Medizin, nicht an fehlendem Know How oder unzureichender Technologie, sondern vielmehr am Mangel an interdisziplinarischer Kooperation, Kundenzentrierung und Wertschöpfung liegt, im Übrigen auch.

Mehr über das World Innovation Forum und die Vorträge von Biz Stone und Seth Godin dann demnächst.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Kosten: 20.000; Ertrag: 1 Million! Green Advertising: Gut für Geschäft und Umwelt

Großstadtmenschen schenken der Umwelt immer mehr, der Werbung aber immer weniger Aufmerksamkeit. Die beiden Trends hängen zwar nicht unbedingt zusammen; schlaue Marketingberater haben sie aber jetzt verbunden und warten mit neuen Werbeformaten auf, die den scheinbar unabhängigen Entwicklungen synergetisch Rechnung tragen.

Die New York Times berichtet heute von der holländischen Agentur GreenGraffiti, die sich darauf spezialisiert, rußige Gehsteige mit Werbebotschaften zu „waschen“. Sie nutzt dabei Hochdruck-Wassersprüher, um saubere Worte und Bilder in das staubige Umfeld zu stampfen. Die Technik heißt Reverse Graffiti, und das Ganze sieht so aus:

 

Die Botschaften ziehen sich häufig über mehrere Straßen hinweg und erzählen zuweilen auch eine Geschichte. Kurz: Sie fallen auf -- ganz ohne Beleuchtung, Tinte oder Papier. Wasser und Benzinverbrauch für den Betrieb der Hochdrucksprüher sind ebenfalls minimal. Kein Wunder, dass die Reverse Graffiti-Aktionen bei führenden Unternehmen immer populärer werden.

Paradebeispiel: die experimentierfreudige Pizzakette, Domino’s, die letzten Sommer eine Reverse Graffiti-Aktion mit insgesamt 210 Impressionen in New York, Philadelphia und Los Angeles gefahren und dabei Fußgänger zur Teilnahme an einer Giftkarten-Verlosung eingeladen hat. Die Aktion habe, so Domino’s, weniger als 20.000 Dollar gekostet und einen PR-Gegenwert von 1 Million Dollar eingespielt.

Die Londoner Agentur Curb Media setzt ebenfalls auf ebenso umweltfreundliches, wie sensationelles Marketing und nutzt dabei ausschließlich organische Elemente. Für Häagen-Dazs, beispielsweise, zauberte die Agentur einen Schneesturm, für Nokia schuf sie Wolken im West End-Himmel. Beim Thema Sustainable Marketing ginge es nicht nur um die kreative Botschaft von Nachhaltigkeit, so Curb Media-Chef Anthony Ganjou, sondern auch um die Art, wie diese Botschaft propagiert würde. Es ginge darum, mit umweltfreundlichen Mitteln ungeheuer aufzufallen.

GreenGraffiti Boss, Jim Bowes, hat noch höhere Ansprüche. Er will seine Kunden motivieren, ihr Marketing stets mit Unternehmensverantwortung zu verbinden. Was ihm vorschwebt? Unternehmen investieren einen Teil ihres Marketingbudgets in die Instandsetzung vernachlässigter Umgebungen und dürfen dort dann auch grüne Marketingmessages anbringen.

Ein solches Programm dürfte das Markenimage in der revitalisierten Umgebung selbst - aber wohl auch darüber hinaus - langfristig mit positiven Werten besetzen. Es ist also gut fürs Geschäft und für die Umwelt.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

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